Freitag, 18. April 2014

Fachzeitung E&M: Verteilnetzbetreiber vermissen Investitionsanreize

Strom- und Gasverteilnetze stehen vor wichtigen Weichenstellungen. Diskussionen über Veränderungen der Anreizregulierung, der Netzentgeltbildung und Konzessionsvergabe sind angelaufen. Die Debatte über den Ausbau der Energienetze wird im Moment von den Kontroversen um die Nord-Süd-Trassen für große Stromautobahnen dominiert. Dennoch gelingt zunehmend auch den Verteilnetzbetreibern, sich Gehör zu verschaffen. Lokale und regionale Stromleitungen seien nicht mehr nur dafür da, Energie in Richtung Verbraucher zu bringen, betonen sie . Netze würden künftig vermehrt dafür gebraucht, die wachsenden Ökostrommengen aufzunehmen und zu integrieren.

Die Verantwortung der Verteilnetzbetreiber wächst, „Neben den Übertragungsnetzbetreibern sind auch sie künftig verstärkt für die Koordination von Systemdienstleistungen zuständig“, sagt deshalb Adolf Schweer, Geschäftsführer der ostdeutschen Mitnetz GmbH zurecht. Verteilnetzbetreiber stehen vor Milliardeninvestitionen für die Aufrüstung ihrer Systeme.

 Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schätzt allein den Investitionsbedarf für die Anbindung neuer Photovoltaik- und Windkraftanlagen an die Verteilnetze in den nächsten zehn Jahren auf rund 25 Mrd. Euro. Eine genauere Bestimmung und Zuordnung der Ausbaukosten ist indes trotz mehrerer Studien zu diesem Thema schwierig. Das hat auch damit zu tun, dass die Betreiberlandschaft recht unübersichtlich ist: Nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur gibt es hierzulande auf der lokalen und regionalen Verteilebene 890 Strom- und 730 Gasnetzbetreiber. Und die halten den Regulierungsrahmen für ihre anstehenden Milliardeninvestitionen für ungenügend. Die 2009 eingeführte Anreizregulierung sei nur bedingt geeignet, die nötige Investitionsbereitschaft herzustellen, sagt Roger Kohlmann, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDEW.. Sie sei zu stark auf Kosteneffizienz ausgerichtet. Für die Energiewende komme es aber darauf an, mit der Regulierung einen flexiblen Rahmen zu schaffen, „der große, aber nicht beliebige Investitionsspielräume zulässt“, forderte Kohlmann beim „Treffpunkt Netze“ des BDEW Ende März in Berlin.

 Durch Regulierungswende Zeitverzug beseitigen

Der Verband hat dazu ein Papier mit Verbesserungsvorschlägen zu Punkten wie Erlösobergrenze, Kapitalkostenkalkulation, Eigenkapitalzinssatz und Effizienzvergleich vorgelegt und fordert, Investitionen in Innovationen wie den Umbau der Netze zu Smart Grids nicht länger zu benachteiligen. „Wir brauchen neben der Energiewende jetzt in der konkreten Umsetzung auch eine Regulierungswende, damit die notwendigen Investitionen getätigt werden“, mahnt auch Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Eine zentrale Forderung der Verteilnetzbetreiber zielt auf die Beseitigung des so genannten Zeitverzugs. Konkret geht es dabei um den Passus der Anreizregulierung, der für Verteilnetzbetreiber bei Investitionen einen verzögerten Kapitalrückfluss über die Netzentgelte jeweils erst in der nächsten Regulierungsperiode vorsieht. Die Unternehmen klagen, dass sie in diesem Punkt schlechter behandelt werden als die vier Übertragungsnetzbetreiber, die schneller an ihr Geld kommen. Der BDEW schlägt deshalb vor, Verteilnetzbetreibern mit hohem Investitionsbedarf die Möglichkeit zu geben, jedes Jahr per Investitionssicherungsantrag steigende Kapitalkosten ohne Zeitverzug in ihre Erlösobergrenze und damit ihn die Netzentgelte einfließen zu lassen. Die Netzbetreiber müssten sich aber verbindlich für eine Regulierungsperiode auf dieses Verfahren festlegen und dafür auf andere Investitionssicherungsinstrumente wie den Erweiterungsfaktor verzichten. Außerdem soll die Sonderbehandlung auf „echte Problemfälle“ beschränkt werden, so der BDEW. Wie viele das sein werden und wie groß damit der zusätzliche Aufwand für die Regulierungsbehörden ausfallen würde, ist derzeit nicht zu überse...

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