Sonntag, 22. Juni 2014

IGBCE: Energiewende mit den Beschäftigten der konventionellen Energiewirtschaft

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Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) warnt zusammen mit Konzernbetriebsräten vor weiterem Personalabbau in der Energiewirtschaft und mahnt einen geordneten Strukturwandel hin zur Energiewende an. „Wild-west“ herrsche auf energiewirtschaftlichen „Restmarkt“, konstatiert der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis: Sparprogramme, Personalabbau, unklare Rahmenbedingungen und fehlende Perspektive. Die konventionelle Energiewirtschaft steckt im Dilemma. Sie soll weiterhin die Verlässlichkeit der Energieversorgung gewährleisten, gleichzeitig befindet sie sich angesichts der Veränderungen durch die erneuerbaren Energien in einer Umbruchsituation. Das bekommen die Mitarbeiter der traditionellen Konzerne besonders zu spüren: Bei Eon, RWE und Vattenfall wird seit mehreren Jahren ständig umstrukturiert und die Beschäftigtenzahl reduziert. Der IGBCE-Chef hatte für den 18. Juni daher die Betriebsratsvorsitzenden der Unternehmen zu einem Gespräch nach Berlin eingeladen. Darunter war auch Eberhard Schomberg, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates von Eon, ein Kollege von verdi. Allein im vergangenen Jahr habe Eon in Deutschland 12 430 Mitarbeiter verloren, womit sich die Beschäftigtenzahl hierzulande um 30 % reduziert habe, berichtet er. Bis zum Jahresende werden weitere 6 000 Stellen abgebaut. „Und im nächsten Jahr drohen durch die Zusammenlegung der Sparten Renewables und Generation weitere Arbeitsplatzverluste“, so Schomburg. Der Abbau betreffe alle Einheiten, nicht nur die Erzeugung.

Extreme Arbeitsverdichtung, aber keine klaren Konzepte

„Bei RWE sind seit 2012 rund 3 900 Vollzeitstellen in der Erzeugung weggefallen“, sagt der RWE-Betriebsratsvorsitzende Norbert Pohlmann. Mit dem derzeitigen Programm „Neo“ würden weitere 937 abgebaut. Das Sparprogramm sei noch in der Umsetzung, da werde schon das nächste angekündigt, berichtet Pohlmann. Der Betriebsratsvorsitzende spricht von einer „extremen Arbeitsverdichtung“. Die wäre ja „noch tragbar“, sagt er, wenn es wenigstens eine langfristige Perspektive gäbe. Stattdessen würden aber die konventionellen Versorger „immer stärker verteufelt“. Dabei stoße „die Unterstellung, dass wir uns nicht an der Energiewende beteiligen wollen“, auf immer stärkeren Widerstand in der Belegschaft. „Die Kollegen fühlen sich nicht mehr vertreten, nicht von der Konzernleitung, aber zum Teil auch nicht von den Medien“, so Pohlmann. Von der Unternehmensspitze fordert er „klare Konzepte, statt nur Sparprogramme“. Der Eon-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Schomburg stellt klar: „Wir wollen die Energiewende mitgestalten und nicht ihr zum Opfer fallen.“ Er wünscht sich, der Vorstand solle „die Kompetenzen des Unternehmens und der Mitarbeiter in den Vordergrund stellen – auch gegenüber der Politik. Schomburg verweist dazu auf den notwendigen Rückbau der Kernkraftwerke und die Atommüllentsorgung, wo sich Entwicklungsmöglichkeiten böten. Mitarbeiter, die konventionelle Kraftwerke steuern, könnten auch solche Funktionen auch bei den Erneuerbaren erfüllen – „nur leider werden dafür nicht so viele gebraucht“, bedauert der Arbeitnehmervertreter.

Gegen Braunkohleausstieg, für Klimaschutz

„Wir haben bereits 90 Prozent unserer Belegschaft verloren“, verdeutlicht der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Vattenfall Europa Mining, Rüdiger Siebers. „Im Unternehmen ist alles durchgestylt, wir fahren mit Unterdeckung“. Kein Wunder, dass Siebers ein „klares Bekenntnis“ der Politik zur systemischen Bedeutung der konventionellen Erzeugung einfordert. Der Braunkohleanteil von 25 % müsse mit Blick auf die Kosten und die Versorgungssicherheit erhalten bleiben. Die Braunkohle dem Klimaschutz zu opfern, lehnt er ab, ebenso wie IGBCE-Chef Vassiliadis. Er kritisiert die Klimaschutz-Eckpunkte von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks als „unscharf“ und insbesondere, dass die geplante CO2-Minderung „Brennstoff bezogen gemacht“ werden solle. „Das akzeptieren wir als Betroffene nicht“, so Vassiliadis, der gleichwohl das von der Bundesregierung angepeilte 40-%-CO2-Minderungsziel bis 2030 für „erreichbar“ hält. Politik wie Unternehmen seien aufgefordert, gemeinsam für Stabilität und Sicherheit in der Energiewirtschaft zu sorgen, mahnt Vassiliadis. „Das gilt gleichermaßen für Fragen der Stromversorgung wie für die Beschäftigungsentwicklung und die Marktchancen der Anbieter konventioneller Energie.“ Bei der Frage, wie die großen Unternehmen sich auf die Energiewende einstellen können, vermisst der IGBCE-Vorsitzende auch Engagement im Management. So bestehe beim Thema Speicher „sichtbar Innovations- und Investitionsbedarf“, die Größenordnungen dafür seien enorm. Vassilliadis verlangt von der Politik einen „geordneten Strukturwandel, der soziale Verantwortung mit ökonomischer Vernunft und ökologischer Effizienz verbindet“. Die Politik müsse ihre Ziele „in eine echte Rangfolge bringen“, so der IGBCE-Vorsitzende. „Ein Ausstieg aus der Kernenergie führt zwangsläufig zu einem höheren CO2-Ausstoss, wenn die Potentiale der CO2-Minderung beim Verkehr oder in Gebäudesanierung nicht genutzt werden.“ Um die notwendigen Kapazitäten der Steinkohle-Verstromung bei bestmöglicher Effizienz zu erhalten, schlägt die IGBCE unter anderem vor, die heutigen Kraftwerke in eine nationale Steinkohle-Verstromungsunion einzubringen. Vassiliadis warnt zudem davor, das Ziel von 25 % Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung durch zusätzliche EEG-Belastungen zu gefährden.
Der vorstehende Beitrag wurde bereitgestellt von: E&M powernews
Juni 18, 2014
Angelika Nikionok-Ehrlich
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