Mittwoch, 16. Juli 2014

Institute: Bundesregierung verfehlt Energiekonzept-Ziele


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Die im Energiekonzept der Bundesregierung 2010 festgelegten Energieeinsparungs- und Klimaziele werden laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragten Studie wahrscheinlich nicht erreicht.Laut dem Energiekonzept der Bundesregierung soll Deutschland im Jahr 2050 seinen Energieverbrauch gegenüber 2008 halbiert haben und 80 % weniger Treibhausgase ausstoßen als 1990. Die Wissenschaftler von Prognos, EWI und GWS prognostizieren für das Jahr 2050 jedoch nur einen Rückgang des Energieverbrauchs um 42 % sowie eine Emissionsminderung um 65 %. Bereits das Ziel für 2020 wird demnach verfehlt: Statt 40 % weniger CO2-Ausstoß würden nur 36 % erreicht. „Die Ziele des Energiekonzepts werden überwiegend nicht erreicht“, resümiert Michael Schlesinger von der Prognos AG. Dabei wirkten unter anderem die schrumpfende Bevölkerung, der wirtschaftliche Strukturwandel sowie steigende Energiepreise „begünstigend“ auf ein Sinken von Energieverbrauch und Emissionen. Dazu kommt, dass die erneuerbaren Energien eine „zunehmend bedeutende Rolle bei der Deckung des Energieverbrauchs“ spielen, wie Dietmar Lindenberger vom EWI betont. „Die Ausbauziele der Bundesregierung für Erneuerbare im Stromsektor werden bis 2020 sogar übertroffen.“ Dies ist laut Studie vor allem der weiter ansteigenden Eigenerzeugung durch dezentrale Photovoltaik außerhalb des EEG zu danken. Diese Eigenerzeugung wachse wegen insbesondere durch fortbestehende Ungleichbehandlungen von Eigenerzeugung und Stromfremdbezug bei Steuern, Abgaben und Umlagen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Förderung der erneuerbaren Energien nach 2030 grenzüberschreitend stattfindet, und zwar zunächst für Offshore- Wind in einem Nordsee-Cluster, später europaweit. Um die Ziele des Energiekonzepts zu erreichen, seien mehr Anstrengungen nötig. Dazu zeigen sich die Experten aber skeptisch. Energie- und Klimaschutzpolitik müssten eine dauerhaft hohe Priorität auf der politischen Agenda einnehmen, betonen sie und fordern auch Verhaltensänderungen von Wirtschaft wie privaten Energieverbrauchern: Diese müssten ihr Verhalten stärker am Klimaschutz ausrichten und die vorhandenen Effizienztechnologien konsequent nutzen. Erleichtert würde die Erreichung der Ziele durch ein international abgestimmtes Vorgehen beim Klimaschutz, heißt es weiter. Dieses wäre dann langfristig sogar mit gesamtwirtschaftlichen Vorteilen verbunden.

Strompreise steigen bis 2025 weiter, außer für die stromintensive Industrie

Die Wissenschaftler gingen bei ihrer Prognose von einem mittel- und langfristigen Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1 %/a aus. Auf den internationalen Märkten erwarten sie reale Preisanstiege gegenüber derzeitigen Marktpreisen für Rohöl, Erdgas und Kesselkohle. Die Verbraucherpreise für Mineralölprodukte, Erdgas und Kohle würden im Wesentlichen von Weltmarktpreisen und Wechselkursen sowie durch Steuern und Abgaben bestimmt „sowie ab 2020 von CO2-Zuschlägen für private Haushalte und Unternehmen, die nicht am Emissionshandel teilnehmen“, lautet eine weitere Prognose. Bis 2025 steigen demnach die Strompreise in Deutschland für Haushalte, Handel und Gewerbe sowie Industrie. Für stromintensive Industrien hingegen sinken die Kosten für den Strombezug bis 2020 und nehmen danach kontinuierlich zu. Für die CO2-Zertifikate-Preise wird bis 2020 ein weiter moderates Niveau erwartet. Der Primärenergieverbrauch verringert sich im Betrachtungszeitraum durchgehend. Der Endenergieverbrauch geht laut der Prognose mittel- und langfristig in allen Verbrauchssektoren zurück. Die Endenergieproduktivität steige um knapp 2 %/a. Die Experten erwarten bei zunehmender Wertschöpfung einen sinkenden Energieverbrauch in der Industrie. Das gelte auch für den Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, wo mit einem „erheblichen Rückgang“ gerechnet wird, selbst in dynamisch wachsenden Branchen. Auch in den privaten Haushalten werde der Verbrauch zurückgehen und sogar im Verkehr. Dort vor allem als Folge zunehmend effizienter Pkw und Lkw, wozu auch der Ausbau der Elektromobilität beitrage. Zum Strommarkt heißt es, die nationalen Marktgebiete würden weiter zusammenwachsen. In Deutschland steige die installierte Erzeugungskapazität des Kraftwerksparks im Betrachtungszeitraum kontinuierlich an. Dabei bleibe die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken bis 2030 stabil, anschließend nimmt sie laut der Prognose deutlich ab. „Die Benutzungsstunden von Gaskraftwerken gehen bis 2025 vor allem aufgrund zunehmender Erzeugung aus erneuerbaren Energien zurück“, heißt es weiter. Die Experten glauben, dass die Investitionskosten konventioneller Kraftwerkstechnologien in den nächsten Jahren stabil bleiben werden. Der Fokus zukünftiger Entwicklungen liege auf der Optimierung des Teillastverhaltens. Für die Bruttostromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung wird mit einem Anstieg bis 2040 gerechnet. Der größte Anteil an der deutschen Stromerzeugung entfalle nach 2030 auf die Windenergie. Dabei würden mit zunehmenden grenzübergreifenden Kooperationen Synergien erschlossen und die Kosten der Förderung gedämpft. In den kommenden Jahren seien weitere Kostendegressionen vor allem bei Windkraft- und Photovoltaikanlagen zu erwarten.

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Juli 14, 2014

Angelika Nikionok-Ehrlich

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