Die Frage der sogenannten Kapazitätsmärkte zur Sicherung der Stromversorgung stehe als nächster Schritt an, sagte Merkel am 18. Juli bei ihrer traditionellen Sommer-Pressekonferenz in der Hauptstadt. „Da muss man jetzt sehr genau überlegen, nach welchen Kriterien macht man das“, so die Kanzlerin.

Es gehe um die Frage, welche Kraftwerke als wichtig für die Versorgungssicherheit eingestuft werden sollen: „Nehme ich da die modernsten, nehme ich da die lokal am wichtigsten, frage ich alle, ob sie wollen, dass ihre Kraftwerke in so eine Reserve hineinkommen“, beschreibt die Kanzlerin die möglichen Kriterien. Hinzu kämen europäische Fragen, ergänzt sie und prognostiziert: „Das wird noch eine sehr ambitionierte Diskussion.“

Damit trifft die Kanzlerin den Nagel auf den Kopf. Denn auf der einen Seite haben die EVU ein Interesse daran, möglichst viele ihrer darbenden Kraftwerke durch Kapazitätszahlungen wieder wirtschaftlich zu machen. Andererseits warnen Experten vor neuen Dauersubventionen, die den Strompreis für nichtprivilegierte Verbraucher weiter steigen lassen würden.

Einbezogen werden müssen zudem übergreifende Ziele wie der Klimaschutz – was dafür spräche, nur moderne, emissionsärmere Kraftwerke zu fördern – und auch der europäische Binnenmarkt für Elektrizität, in dem Versorgungsengpässe grenzüberschreitend ausgeglichen werden sollten. Erzeugung nahe am Verbrauch hingegen könnte Netzausbau-Notwendigkeiten verringern. Angesichts dieser Gemengelage scheint derzeit nur eines klar: Man wird es nicht allen recht machen können.