Donnerstag, 7. August 2014

Impulse für die Geothermie





Bild: Fotolia.com, Cardaf 
Die Daldrup & Söhne AG beschränkt sich im Bereich der tiefen Geothermie nicht mehr auf Bohrdienstleistungen, sondern will künftig mit dem Verkauf von Strom und Wärme wachsen.


Josef Daldrup blickt optimistisch auf die künftige Nutzung tiefer Erdwärme. „Ich bin überzeugt, dass die Branche erst am Anfang ihrer Potenziale für die Energieversorgung in Deutschland steht“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Daldrup & Söhne AG. Dabei erweckten die Probleme um das Heizkraftwerk Landau im Frühjahr vielmehr den Eindruck, dass der Entwicklung der Tiefengeothermie in Deutschland das Ende droht. Zudem sorgten die Debatte um die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und die daraus resultierende Unsicherheit dafür, dass nach Einschätzung des Wirtschaftsforums Geothermie allein im Raum München Projekte im Wert von mindestens 750 Mio. Euro auf Eis gelegt wurden.

„Die Anfragen und Ausschreibungen zu Geothermie-Projekten nehmen wieder deutlich zu“, betonte der Unternehmer Ende Juli auf der Daldrup-Hauptversammlung. Sein Ziel ist, die Firmengruppe vom Bohrdienstleister zum Energieversorger weiterzuentwickeln. Mit den eigenen Projekten in Landau und Taufkirchen leiste man „Pionierarbeit. Sowohl in der Ausführung und Technik der Bohrung als auch was Verwaltungsrecht und behördliche Genehmigungsverfahren angeht“. Denn noch ist die Tiefengeothermie nicht marktreif und wettbewerbsfähig. Daldrup ist zuversichtlich, dass die beiden Heizkraftwerke „positive Impulse bei Investoren für die Erzeugung von regenerativem Strom und von Fernwärme aus Geothermie setzen können“.


„Die Inbetriebnahme von voraussichtlich zwei Geothermiekraftwerken noch in diesem Jahr wird das Geschäftsmodell der Daldrup & Söhne AG bestätigen und nachhaltig stärken“, lautet daher seine Kernbotschaft. Die Gesellschaft mit Sitz in Grünwald bei München hatte sich im August 2013 an der verlustbringenden Anlage in Landau beteiligt und im Dezember ihren Anteil an der Betreibergesellschaft geo X GmbH auf 90 % erhöht. Die EnergieSüdwest AG und die Pfalzwerke AG zogen sich aus dem Projekt zurück, das mehrfach für Schlagzeilen sorgte. Im August und September 2009 wurden Erdstöße in der südpfälzischen Stadt registriert, die laut Experten „sehr wahrscheinlich“ mit dem hydrothermalen Projekt zusammenhängen. Zuletzt wurde festgestellt, dass sich der Boden um das Heizkraftwerk in den vergangenen zwei Jahren stellenweise bis zu 7 cm angehoben hatte. Schließlich wurden erhöhte Arsenwerte im Grundwasser entdeckt. Die Landauer Stadträte forderten nun das endgültige Aus für die inzwischen stillgelegte Anlage.

Den Betrieb genehmigte das Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) in den vergangenen fünf Jahren nur unter verschärften Auflagen. Weil der Einpressdruck für das knapp 160 °C heiße Thermalwasser auf 45 bar reduziert werden musste, beschränkte sich das auf 3,6 MW elektrische Leistung ausgelegte ORC-Modul auf eine durchschnittliche Kapazität von 1,5 MW. Dennoch habe man 2013 mit einer Verfügbarkeit von 98,7 % rund 15,3 Mio. kWh Strom und 7 Mio. kWh Fernwärme erzeugt, vermeldet Daldrup. Das Unternehmen kündigte nun trotz Widerstands aus der Kommune an, die Anlage in Landau „im Spätsommer 2014 wieder in Betrieb zu nehmen“.

Zuvor müsse jedoch die Leckage an einer Dichtung eines Bohrkopfloches behoben werden, die als Ursache für die Bodenhebungen ausgemacht wurde. Erkundungsbohrungen zur Aufklärung des verunreinigten Grundwassers laufen den Angaben zufolge. Zudem sei weiterhin geplant, eine dritte Bohrung in Landau abzuteufen. Diese könnte nicht nur für eine Druckentlastung bei der Verpressung des abgekühlten Thermalwassers in den Untergrund sorgen, sondern auch die ursprünglich geplante thermische Leistung der Anlage von 7 MW ermöglichen − und damit die Wirtschaftlichkeit verbessern. Sobald die dafür zugesagten Forschungsgelder fließen, soll den Angaben zufolge mit den Bohrarbeiten begonnen werden.
 
Das Geothermie-Heizkraftwerk in Landau soll im Spätsommer 2014 wieder in Betrieb genommen werden
Bild: Gerald Schilling

Im oberbayerischen Taufkirchen ist die Bohrphase längst abgeschlossen. Bei einer Thermalwasserschüttung von 120 l/sec mit rund 135 °C wird hier auf ein Kalina-Modul der australischen Wasabi Energy zur Stromerzeugung gesetzt. Die KWK-Anlage mit 39,8 MW thermischer und 4,3 MW elektrischer Leistung soll laut Daldrup „Ende dieses Jahres erstmals in Betrieb gesetzt“ werden. Ab 2015 ist der Regelbetrieb geplant. Es ist das erste Tiefengeothermie-Projekt, das die Unternehmensgruppe entlang ihrer Wertschöpfungskette von der Machbarkeitsstudie bis hin zum Energie-Contracting und Kraftwerksbetrieb realisiert. Über sein Tochterunternehmen Geysir Europe hält der Konzern rund 39 % an der Betreibergesellschaft. Weitere Anteilseigner sind die Schweizer Axpo Power AG und die Gemeindewerke Oberhaching GmbH. Über ein Provisorium wird bereits seit Ende 2013 Fernwärme in die Netze der umliegenden Gemeinden eingespeist. Ziel ist, künftig rund 21 Mio. kWh Strom und 61 Mio. kWh Wärme in Taufkirchen zu erzeugen.

Ein ähnliches Betreibermodell plant Daldrup auch für sein Projekt im baden-württembergischen Neuried. Dort soll Anfang 2015 die erste Bohrung abgeteuft werden. Die Erwartungen für das Thermalwasser liegen hier bei rund 75 l/sec und etwa 125 °C. Weil auf dem Nachbargrundstück eine Biogasanlage steht, gibt es Überlegungen, die zwei erneuerbaren Erzeugungssysteme zu einem Hybridkraftwerk zu kombinieren. Potenziale sieht Daldrup auch für ein Erdwärme-Heizkraftwerk am Frankfurter Flughafen. Eine Kooperation mit der RWE Innogy GmbH für dieses Vorhaben wurde zwar im vergangenen Jahr „im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst“. Die Mainova AG sowie die Fraport AG zählen aber weiterhin zu den Joint-Venture-Partnern. Gespräche mit lokalen Energieversorgern werden den Angaben zufolge geführt.

Darüber hinaus seien die Planungen und Vorbereitungen für weitere Vorhaben bereits angelaufen, heißt es weiter bei Daldrup. Das Unternehmen setzt nach Aussage des Firmenchefs Projekte um, „von denen andere glauben, es gebe dafür weder geologisch noch wirtschaftlich vernünftige Rahmenbedingungen“. Profitieren wird die noch junge Geothermie-Branche vom EEG 2014, das die Grundvergütung für Strom aus Neuanlagen bei 25,2 Ct/kWh belassen hat. Einen Schub erhofft sich Daldrup zudem von der EU-Energieeffizienzrichtlinie, die die Bundesregierung zu neuen KWK-Programmen verpflichtet: „Insgesamt könnte damit gerade für Industrie, Gewerbe und Stadtwerke die Erdwärme als Energiequelle interessanter werden.“ 
E&M powernews

August 6, 2014

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