Samstag, 9. August 2014

Flexibilität aus dem Speicher


Bild: Fotolia.com, miklyxa13 

Die Stadtwerke Leipzig versuchen, mit einem Wärmespeicher mehr Flexibilität für die Stromerzeugung aus dem Betrieb ihres durch niedrige Strompreise unter Druck geratenen GuD-Heizkraftwerks zu kitzeln.


Auch dem kommunalen Versorger in Leipzig zerschießen niedrige Börsenstrompreise und wachsende Einspeisemengen von regenerativem Strom mehr und mehr die hocheffiziente, gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme. „Auch wir leben nicht auf einer Insel der Glückseligen“, sagt Peter Lintzel. „Wir haben dieselben Probleme wie so ziemlich alle GuD-Anlagen in Deutschland, so der Prokurist der Stadtwerke Leipzig GmbH. „Bei einem Stromgroßhandelspreis von 60 Euro pro Megawattstunde wären wir glücklich, derzeit liegt der Preis aber nur bei 35 Euro.“ Zu diesem Preis seien nicht einmal die Fixkosten einer GuD-Anlage zu erwirtschaften.

Mit drastischen Folgen für das Leipziger Gasturbinen-Heizkraftwerk, dessen 40 Mio. Euro teure Modernisierung (unter anderem Steigerung des elektrischen Wirkungsgrades um 1,5 Prozent) erst im Frühjahr abgeschlossen wurde. Vor drei Jahren kam die Anlage noch auf Laufzeiten von jährlich 5 000 bis 6 000 Volllaststunden. „Inzwischen sind wir bei knapp 3 000 und 2015 erwarten wir nur noch 2 500 Stunden.“

Das wirkt sich auch auf die in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) erzeugte Fernwärme aus. Wurden früher etwa 45 Prozent der thermischen Energie für Leipzig in der GuD-Anlage erzeugt, werden es bald nur noch 30 bis 35 Prozent sein. Das verschlechtert die CO2-Bilanz der gesamten Versorgung.

Sinkende Effizienz bei der Wärmeversorgung



Denn die fehlende Wärme muss anderswo produziert werden. Die Wärmegrundlast kommt schon heute aus dem erheblich weniger klimaverträglichen Vattenfall-Braunkohlekraftwerk Lippendorf. In Zukunft werden es wohl nicht mehr 50 Prozent sein, sondern 60 Prozent. Was dann noch fehlt, liefern gasgefeuerte Heizwerke zu − aber auch die sind weniger effizient. „Wir bauen gerade ein drittes Heizwerk, weil es manchmal sinnvoller ist, die Energie dort und nicht in der GuD-Anlage zu erzeugen“, so Lintzel. Er hofft, den KWK-Anteil an der Leipziger Fernwärmeversorgung, der im Moment noch bei 95 Prozent liegt, dennoch auf 80 Prozent stabilisieren zu können.

Um die Stromerzeugung wenigstens etwas flexibler auf die Marktpreise ausrichten zu können, investieren die Stadtwerke zudem gerade 3,5 Mio. Euro in einen großen Wärmespeicher für 3 000 m3 heißes Wasser. Damit können ab Herbst 225 000 kWh Wärme über acht Stunden gepuffert werden. „Wir wollen zu Zeiten mit geringem Stromverbrauch und niedrigen Börsenpreisen, also vor allem am Wochenende und in den Nachtstunden, Wärme aus dem Speicher nutzen. So können wir die GuD flexibler am Strompreis orientiert fahren“, erklärt Lintzel das Konzept.

„Das hilft uns aber nicht, die Laufzeiten zu verlängern“, ergänzt er. Die Schwierigkeiten, respektive die Verluste am Strommarkt, wenn die Anlage nur wegen des Wärmebedarfs läuft, kann der neue Speicher also allenfalls lindern.

Keine Chance ohne KWK-Förderung



Dass die Stadtwerke Leipzig ihre GuD-Anlage überhaupt weiterfahren können, hängt ganz erheblich an der KWK-Förderung. Ende Juni bekam das Unternehmen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bestätigt, dass die Modernisierung der GuD-Anlage mit einer Zulage nach KWK-Gesetz (2,1 Ct/kWh Strom) für rund fünf bis acht Jahre gefördert wird. Auch wenn die Wirtschaftlichkeit der Anlage damit noch nicht wieder erreicht sei, helfe die Zulage doch „maßgeblich, die für die Erzeugung aktuell schwierige Marktphase durchzustehen“, so Lintzel.

Das sei auch notwendig für die Energiewende. Denn gerade gasgefeuerte GuD-Anlagen gelten als wichtige Ergänzung der erneuerbaren Stromerzeugung für Zeiten ohne Wind und Sonne.

Nach Ansicht der Leipziger wird die KWK-Förderung aber nicht ausreichen, um effiziente Kraftwerke im Geschäft zu halten sowie Erneuerungen und Modernisierungen zu ermöglichen. Dafür sei ein Kapazitätsmarktinstrument dringend erforderlich, stellt Lintzel klar. „Wir unterstützen die Initiative der Verbände BDEW und VKU für die Schaffung eines nachfrageorientierten Leistungsmarktes.“ Auch der Klimaschutzmechanismus des CO2-Handels müsse wieder zum Funktionieren gebracht werden – notfalls in einem deutschen Alleingang, wenn es in der EU zu viele Widerstände gibt.

„Wenn die Politik nicht bald reagiert, wird es zu einem Kraftwerkssterben kommen und es werden keine neuen konventionellen Erzeugungsanlagen mehr gebaut“, ist sich der Leipziger Stadtwerke-Manager sicher. Mit unabsehbaren Folgen für die Versorgungssicherheit, meint er. 
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August 7, 2014

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