„Ich habe kein Verständnis dafür, dass trotz der sich abzeichnenden massiven Probleme suggeriert wird, man könne einfach so weitermachen wie bisher“, kontert BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller kritische Äußerungen von Industrieseite. „Wir sollten nicht zu schnell Kapazitätsmechanismen einführen“, hatte Achim Dercks, Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) laut „Rheinischer Post“ gewarnt.

„Einige Vertreter der Industrieverbände scheinen die wachsende Dramatik auf dem Kraftwerksmarkt immer noch zu unterschätzen − und das, obwohl ihre Mitgliedsunternehmen auf eine jederzeit sichere Stromversorgung dringend angewiesen sind“, schimpft Müller auch in Richtung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Sie wirft der Industrie gefährliche Leichtfertigkeit im Umgang mit den Energieversorgungsstrukturen vor, die dem Wirtschaftsstandort Deutschland schade.

Müller lobt das von der Energiewirtschaft entwickelte Modell des dezentralen Leistungsmarktes als „deutlich besser als alle anderen Kapazitäts-Modelle“. Gutachter bestätigten, dass es kaum höhere Kosten verursachen wird als andere Vorschläge.
Mittlerweile seien für 49 Kraftwerke Stilllegungsanträge bei der Bundesnetzagentur gestellt, so die BDEW-Chefin weiter. „Das zeigt überdeutlich: Wir haben ein massives und zeitkritisches Problem.“ Der Gesetzgeber müsse wie im Koalitionsvertrag angekündigt Vorbereitungen für Kapazitätsmärkte treffen, „damit wir auf mögliche Engpässe in ein paar Jahren vorbereitet sind“.