Freitag, 29. August 2014

Offshore-Riese Gwynt y Môr geht ans Netz


Bild: Fotolia.com, zentilia 
 
Seit Juni 2014 sind alle 160 Windräder in der Irischen See errichtet: Der Windpark Gwynt y Môr ist damit einer der größten weltweit. Beteiligt als Investor an diesem Milliardenprojekt sind RWE Innogy, die Siemens AG und die Stadtwerke München GmbH. Wer an der walisischen Küste in der Liverpool Bay steht und seinen Blick über die Irische See schweifen lässt, bleibt unweigerlich am Horizont hängen: So weit das Auge reicht, reiht sich in der Ferne ein Windrad an das andere. Ein Teil der Rotoren dreht sich, die anderen stehen noch still. „Ein Meilenstein in unserer Ausbauoffensive für erneuerbare Energien“, sagt Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München (SWM), und zeigt auf den Horizont. Das Unternehmen ist Mitinvestor bei dem zweitgrößten Offshore-Windpark weltweit und kann einen wichtigen Erfolg präsentieren: Seit Juni 2014 sind alle 160 geplanten Windenergieanlagen in der Irischen See errichtet.
Der Windpark heißt Gwynt y Môr – der Name kommt aus dem walisischen und bedeutet so viel wie Wind im Meer. Knapp 13 km vom Ufer nimmt der Park eine Fläche von 79 km2 ein – ein Viertel der Fläche von München. Jede Turbine überragt den Meeresspiegel jeweils um 150 m. Die installierte Gesamtleistung beträgt 576 MW, bis zu 400 000 Haushalte kann Gwynt y Môr damit rechnerisch mit Strom versorgen. Der derzeit größte Offshore-Windpark London Array hat zum Vergleich eine Kapazität von 630 MW.
Von der Gesamtinvestition von über 2 Mrd. Euro stemmt RWE 60 Prozent, die Stadtwerke München 30 Prozent und Siemens zehn Prozent. Die Bauarbeiten hatten im Juni 2011 begonnen. "Das Wetter sei das größte Problem", sagt Jonathan Darling, Senior Project Manager von RWE, die das Projekt operativ führen. Das Unternehmen hat seine Büros im Hafen von Mostyn in Nordwales. Von hier aus steuert RWE bereits den Betrieb der beiden nahegelegenen Windparks Rhyl Flats mit 90 MW und North Hoyle mit 60 MW. Das teilweise extrem schlechte Wetter habe sie im vergangenen Winter bei dem jetzigen Großprojekt zurückgeworfen, sagt Darling. "Zudem mussten im Frühjahr drei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen werden."
Jetzt laufen in der Liverpool Bay die letzten Kabelarbeiten, um die restlichen Windräder anzuschließen. Die Hälfte der Turbinen erzeugt mittlerweile Strom. Die einzelnen Windräder werden durch 33 kV-Kabel mit zwei Offshore-Umspannwerken verbunden. Die in Belfast ansässige Werft Harland und Wolff hat die beiden Plattformen hergestellt. Draußen auf See wird der Strom auf 132 kV umgespannt, anschließend zu der an Land errichteten Transformatorstation bei St. Asaph übertragen und von dort ins englische Höchstspannungsnetz eingespeist. Siemens hat die Turbinen sowie die Umspannwerke On- und Offshore geliefert. Der Konzern wird die Anlagen die nächsten 17 Jahre auch warten. Auf Nachfrage, wie es etwa beim Korrosionsschutz aussehe, zeigen sich die Investoren überzeugt: Siemens habe mittlerweile viel Erfahrung, bekräftigt SWM-Chef Bieberbach. „Die neuen Turbinen können mit denen der ersten Generation nicht mehr verglichen werden.“
Wie rentabel die Investition letztendlich wird, muss sich zeigen − nicht nur aufgrund des Windaufkommens und der Bau- und Betriebskosten, sondern auch wegen des britischen Fördersystems. Der Windpark fällt unter das auslaufende Quotensystem und wird über Renewable Obligation Certificates gefördert. Betreiber im auslaufenden ROC-Modell erhalten je erzeugter MWh für Offshore-Windstrom zwei Zertifikate und können diese an Stromversorger oder Stromhändler verkaufen und so zusätzliche Einnahmen erwirtschaften. Der durchschnittliche Preis lag im Juni bei umgerechnet 51,64 Euro je Zertifikat, drei Jahre zuvor lag er noch bei etwas über 57 Euro. Das neue Modell Contract-for-Difference wird das ROC-Fördersystem ersetzen und sieht garantierte Mindestpreise vor.

Windpark soll spätestens 2015 vollständig in Betrieb gehen

Funktioniert nun alles wie geplant, soll der Park spätestens Anfang 2015 vollständig ans Netz gehen, einige Monate später als erhofft – für die Investoren trotzdem ein Erfolg in Großbritannien. Andere Offshore-Projekte musste RWE in Großbritannien ganz kippen, wie den Windpark Atlantic Array vor der Südküste von Wales. Ungünstige Meeresbodenverhältnisse und deutlich tiefere Gewässer hätten das Projekt unwirtschaftlich gemacht, entschied der Konzern im vergangenen November.
Ob nun Deutschland oder Großbritannien: Die hohen Investitionssummen und langen Planungs- und Bauzeiten bergen immer Risiken. Ein Energieversorger wie die Münchner sind da ein geschätzter Partner. Wie bei anderen Projekten auch, haben sich die SWM bei Gwynt y Môr „als Juniorpartner angehängt“, wie es Bieberbach ausdrückt. Es sei für sie als Stadtwerk ansonsten nicht zu stemmen.
Als Partner sind die SWM beispielsweise auch an den deutschen Offshore-Parks Sandbank und Dan Tysk beteiligt, die sie gemeinsam mit Vattenfall umsetzen. Die Stadtwerke wollen nicht weniger als eine Vorreiterrolle einnehmen und haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2025 wollen die SWM so viel Ökostrom in eigenen Anlagen produzieren, wie ganz München verbraucht. Das sind rund 7,5 Mrd. kWh pro Jahr.
Die Beteiligung an Gwynt y Môr soll dazu wesentlich beitragen. Nach den Plänen der Investoren soll der Park über zwei Jahrzehnte hinweg Strom erzeugen – so lange laufen die britischen Zertifikate, so lange sollen die Turbinen mindestens den Stürmen der Irischen See standhalten und möglichst pro Jahr rund 1,95 Mrd. kWh Strom erzeugen – davon wollen die SWM 585 Mio. kWh,also ihren 30-Prozent-Anteil, künftig selbst vermarkten.

Gwynt y Môr im Überblick

Gwynt y Môr besteht aus 160 Windräder mit 3,6-MW-Turbinen des Typs SWT-3.6-107, von dem Siemens mittlerweile knapp 900 weltweit verbaut hat Die Bauarbeiten hatten im Juni 2011 begonnen, angestoßen hatte der RWE-Konzern das Projekt jedoch bereits einige Jahre zuvor. Der Genehmigungsantrag wurde beim Department of Energy and Climate Change – das britische Energieministerium – im November 2005 eingereicht, die Genehmigung erfolgte am 3. Dezember 2008. Im August 2013 konnte dann zum ersten Mal Strom erzeugt werden und seit Juni 2014 sind alle Windräder errichtet. Der Park mit einer Gesamtinvestition von 2 Mrd. Euro soll spätestens Anfang 2015 vollständig in Betrieb gehen.

Der vorstehende Beitrag zum Thema Offshore-Windräder wurde bereitgestellt von 



August 27, 2014

Heidi Roider

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