Freitag, 12. September 2014

Strom tanken per Smartphone



Bild: Fotolia_36528687_S© JiSIGN - Fotoliacom
Belectric

Servicefreundliche Systeme für den Aufbau städtischer Ladenetze für Elektroautos bietet der Entwickler Belectric Drive an.

 „Wir müssen beim Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektroautos darauf
achten, keine Inseln mit inkompatiblen Systemen zu schaffen“, mahnt
Sebastian Bachmann. Der Geschäftsführer des Ladeboxen- und
Ladesystementwicklers Belectric Drive im nordbayerischen Kitzingen
spricht damit ein akutes Problem an: Viele Ladenetze für Elektroautos
sind nur mit speziellen Ladekarten und damit nicht für alle Autofahrer
zugänglich. Belectric Drive hat deshalb ihre Systeme so
entwickelt, dass sie nicht nur mit Ladekarten, sondern mit jedem
Smartphone genutzt werden können. Die Freischaltung erfolgt dann über
QR-Code oder SMS. Das Softwaremodul (sms&charge) erlaube eine
Abrechnung des getankten Stroms über die Mobilfunkrechnung des
E-Mobil-Fahrers oder per Prepaid-Guthaben – und das europaweit, wie
Bachmann betont. Weder eine Registrierung beim Ladeboxenbetreiber noch
ein Vertrag sind nötig. Die Software erspare den Betreibern Verwaltungs-
und Abrechnungsaufwand. Wichtig ist dem Geschäftsführer noch
etwas: Die Ladeboxen von Belectric Drive seien wartungs- und
servicefreundlich. Der patentierte Plug-and-Play-Mechanismus ermögliche
einen Austausch innerhalb weniger Minuten, so Bachmann. Dank
Online-Updates entfalle eine Wartung vor Ort. Als weiteren
Pluspunkt nennt Bachmann den Ladebox-Controller. Diese
Steuerungselektronik soll Ladestationen intelligent machen. Der
Lastmanagement-Controller ermögliche die Verschiebung von Ladezeiten und
Lastspitzen im Netz, maximiere die Nutzung von Solarstrom aus lokale
Photovoltaikanlagen und steuere Batteriespeicher im System. Die
Online-Funktion der Stationen erlaube nicht nur das Lastmanagement,
sondern auch Abrechnung per SMS und Übermittlung von
Echtzeit-Ladeinformationen an Navigationssysteme.

Stadtwerke als wichtige Partner

Der
Hersteller aus Kitzingen hat bereits über 250 onlinefähige Ladepunkte
für Elektroautos in Deutschland und Frankreich installiert. Kommunale
Versorger wie N-Ergie in Nürnberg oder Stadtwerke Uelzen sind wichtige
Partner. „Der Anteil unserer mit Stadtwerken durchgeführten Projekte
liegt bei 70 bis 80 Prozent“, berichtet Bachmann. Fahrer von
BMW-Elektroautos, die dem BMW i ChargeNow Netzwerk angehören, können an
Belectric-Drive-Ladesäulen mit ihrer Karte Strom tanken. Außerdem
kooperiert Belectric Drive mit dem Ökostromversorger Naturstrom. Als
zunehmend interessante Kunden sieht der Geschäftsführer Unternehmen,
die erneuerbaren Strom erzeugen und als Eigenstrom in ihren Flotten
nutzen oder Mitarbeitern anbieten wollen sowie Supermärkte und
Einkaufszentren, die auf Parkplätzen Lademöglichkeiten einrichten
wollen. Der halböffentliche Raum biete bessere Möglichkeiten zum Aufbau
von Ladenetzen als öffentlicher Grund, wo komplizierte
Genehmigungsverfahren zu durchlaufen seien. „Das
Preis-Leistungs-Verhältnis der Fahrzeuge wird immer besser. Wir glauben,
dass sich heutige Investitionen in Geschäftsmodelle mit Elektroautos
und Ladenetzen ab 2017 auszahlen“, meint Bachmann. Wenn die Zahl der neu
zugelassenen Elektroautos weiter so stark wachse wie im ersten Halbjahr
2014, sei die von der Bundesregierung angestrebte eine Million E-Mobile
bis 2020 sogar noch zu schaffen, zeigt er sich zuversichtlich.


Energie & Management

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