Freitag, 10. Oktober 2014

Mehr als nur Flexibilitätsoption

 

Bild: Fotolia.com, Dark Vectorangel  

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) kritisiert die Annahmen kürzlich veröffentlichter Speicherstudien und legt in einem Diskussionspapier dar, warum Speicher wichtig sind. Der Staub, den die jüngsten Speicherstudien aufgewirbelt haben, hat sich noch nicht gelegt. Nicht mit einer Studie, sondern mit einem Diskussionspapier meldet sich nun die dena zu Wort und kritisiert die „idealisierten Rahmenbedingungen“, von denen insbesondere die „Roadmap-Speicher“ des Fraunhofer-Instituts IWES, des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der RWTH Aachen und der Stiftung Umweltenergierecht sowie die Agora-Speicherstudie ausgingen. Probleme beim Netzausbau oder der Umsetzung des europäischen Strom-Binnenmarkts würden nicht berücksichtigt. Darüber hinaus bezeichnet es die Agentur als „unrealistisch“, von der Verfügbarkeit alternativer Flexibilitätsoptionen wie Lastmanagement auszugehen. Beide genannten Untersuchungen unterstellten, dass insbesondere Demand-Side-Management-Potenziale in der Industrie kostengünstig erschlossen werden könnten. „In welchem Umfang sich in Deutschland ein Markt für Lastmanagement entwickeln wird und zu welchen Kosten, lässt sich im Moment kaum abschätzen“, so der Einwand von Stephan Kohler, Geschäftsführer der dena. Speicher sieht er als wesentlichen strategischen Baustein der Energiewende: „Ohne zusätzliche Speicher verscherbeln wir die mit Förderung durch deutsche Stromverbraucher subventionierte Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu Niedrigstpreisen ins europäische Ausland.“ Deshalb warnt er davor, denselben Fehler wie beim Netzausbau zu machen. „Auch hier haben wir zu lange gewartet und hinken jetzt den Entwicklungen hinterher.“ Eine Lanze bricht die dena auch für Pumpspeicher, nicht zuletzt wegen deren Schwarzstartfähigkeit. Allerdings würden sie vom geltenden Energiewirtschaftsgesetz wirtschaftlich benachteiligt, weil sie als Letztverbraucher eingestuft und entsprechend durch Abgaben belastet würden. Für die langfristige Speicherung seien Power-to-Gas-Anlagen „vielversprechend“ und könnten schließlich für die erneuerbaren Energien eine Brücke in andere Verbrauchssektoren schlagen. „Stromspeicher sind mehr als eine Flexibilitätsoption“ ist eine wesentliche Aussage des Diskussionspapiers. Zur Marktintegration der erneuerbaren Energien könnten sie einen wesentlichen Beitrag leisten. Dann müsste nämlich regenerativ erzeugter Strom nicht mehr über das Marktprämienmodell und den Verkauf über die Börse grau eingefärbt werden, sondern könnte als strukturierter, wirklich grüner Ökostrom aus bestimmten Anlagen vermarktet werden. Die Kombination von Erzeugungsanlagen mit Speichern mache dies möglich. Dieser Aspekt werde in der aktuellen Debatte „erstaunlicherweise fast vollständig ausgeblendet“, bemängelt die dena. Für deren Geschäftsführer ist klar, dass der Ausbau der Speicherinfrastruktur Geld kosten wird. Er dürfe aber nicht aus Angst vor einer Kostendebatte vernachlässigt werden. „Die Investitionen dienen dem richtigen Zweck. Das müssen wir jetzt offen und ehrlich ansprechen, sonst gefährden wir auf Dauer die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende“, so seine Überzeugung. Das Diskussionspapier steht unter www.dena.de/dena-Speicherpapier zum Download zur Verfügung.

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Energie & Management

Oktober 7, 2014

Fritz Wilhelm

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