Dienstag, 9. Dezember 2014

Die neue Eon: Mehr Abschied als Aufbruch



Bild: Fotolia.com, Do Ra


Der Düsseldorfer Konzern teilt sich in zwei Unternehmen – doch weder der
roten noch der grauen Gesellschaft ist der Erfolg in die Wiege gelegt.
Hoffnung auf interessierte Käufer hat offenbar niemand. Der
Eon-Aufsichtsrat hat am 30. November beschlossen, alle Kohle-, Gas- und
Kernkraftwerke sowie den Stromhandel und das Gas-Upstream-Geschäft in
eine neue Gesellschaft auszulagern. Die neuen Aktien werden aber nicht
mit einem öffentlichen Börsengang neuen Aktionären angeboten, was
frisches Kapital in die Kassen spülen würde. Ein öffentliches
Kaufangebot gilt offenbar als nicht aussichtsreich. Stattdessen soll
jeder bisherige Eon-Aktionär zusätzlich Aktien des neuen Unternehmens
ins Depot gelegt bekommen. Eon geht einen mutigen, aber auch
verzweifelten Schritt: Die alte Energiewelt mit Kohlestaub, Uran und Gas
wird ausgelagert. Damit verabschiedet sich die rote Eon von all dem,
was sie bis vor kurzem noch als ihr Kerngeschäft definierte. Der 30.
November 2014 wird in die Geschichte der Energiewirtschaft als das
Sterbedatum der Verbundkonzerne alter Art eingehen. Die
Neuaufstellung ist mehr Abschied als Aufbruch. Eon trennt sich vor allem
von den Risiken des klassischen Erzeugungs-Geschäfts – sowohl von den
finanziellen Unwägbarkeiten als auch von den Reputationsrisiken.

Trennung von den Risiken der klassischen Erzeugung

Einen so tiefen Fall hatte sich noch vor sieben Jahren niemand vorstellen
können. 2007 war die größte Sorge des Konzerns die Abwehr einer
feindlichen Übernahme aufgrund übergroßer eigener Geldvorräte. Um die
Milliarden loszuwerden, kaufte das Eon-Management unter anderem in
Spanien und Italien Unternehmensbeteiligungen ein – deutlich überteuert,
wie sich bald herausstellte. Noch 2013 schwärmte Eon-Chef Johannes
Teyssen seinen Aktionären vor, dass sie bald von den milliardenschweren
Kraftwerksinvestitionen in Russland, Brasilien und der Türkei
profitieren würden. Gleichzeitig kündigte er eine Reduktion des
Engagements in Deutschland an. Doch unzuverlässige Partner,
Währungsschwankungen und die sonstigen Risiken von Auslandsinvestments
haben auch diese Träume platzen lassen. Mittlerweile hat das Unternehmen
mehr als 30 Mrd. Euro Schulden. Daraus werden jetzt die Konsequenzen
gezogen. Die Kohle- und Kernkraftwerke von Eon werden demnächst
unter einem neuen, vielleicht grauen Logo firmieren. Von diesen
Belastungen befreit, kann die rote Eon dann die eigene, zwar sehr
bekannte, aber ziemlich ramponierte Marke in den Augen der Kunden wieder
aufpolieren. Es würde nicht erstaunen, wenn das rote Logo bald einen
grünen Touch bekäme.

Aufteilung in eine "rot-grüne" und eine "graue" Eon

Konzentrieren will sich die neue rot-grüne Eon künftig auf erneuerbare Energien,
Energienetze und Kundenlösungen. Bei den Erneuerbaren startet sie
allerdings auf sehr niedrigem Niveau. Mehr als 175 Mrd. kWh Strom hat
der Gesamtkonzern 2013 weltweit produziert. Davon kamen nur 12,4 Mrd.
kWh aus Windenergie. Das sind knapp sieben Prozent. In Deutschland hat
das Unternehmen 84,2 Mrd. kWh produziert, davon nur 0,3 Mrd. kWh aus
Windenergie – weniger als ein halbes Prozent. Die Photovoltaik, die die
rot-grüne Eon jetzt ebenfalls als Zukunftshoffnung nennt, taucht in der
Eon-Statistik für 2013 noch nicht einmal auf. Bei den Punkten
zwei und drei der neuen Strategie – Netze und Kundenlösungen – hat Eon
in den letzten Jahren alles getan, um sich selbst so intensiv wie
möglich zu schwächen. Noch im vergangenen Jahr hat der Konzern die
Verkäufe seiner Regionalversorger Eon Westfalen Weser, Eon Thüringer
Energie und Eon Mitte abgewickelt und damit auch große Netze abgegeben.
Auch das Endkundengeschäft galt in den letzten Jahren als nicht
attraktiv. 2003 setzte Eon Energie 269 Mrd. kWh Strom ab. Zehn Jahre
später betrug der Stromabsatz in Deutschland nur noch 160 Mrd. kWh. Das
heißt, die Zahl der Endkunden ist in den letzten Jahren systematisch
reduziert worden. Jetzt soll es auf einmal in die andere Richtung gehen.
Die neue Eon will „in allen Zielmärkten ‚Klassenbester‘ bei der
Kundenzufriedenheit sein“, sagt Vorstandschef Teyssen seit Ende
November. Weithin unklar ist, was die neue Eon künftig unter dem
Stichwort „Kundenlösungen“, der dritten Säule ihrer neuen Strategie,
anbieten will. Für virtuelle Kraftwerke, Contracting, Smart Home werden
im Vergleich zu spezialisierten Startups in vielen Fällen schlicht die
Overhead-Kosten zu hoch sein. Schließlich soll die rot-grüne Eon auch
künftig rund 40 000 der heute mehr als 60 000 Eon-Beschäftigen in Lohn
und Brot halten. Wovon die alle bezahlt werden sollen? Darauf muss das
Unternehmen eine Antwort finden.

Schicksal der grauen Eon ist abhängig von Strompreisen

Die Geschäftsaussichten der neuen Gesellschaft, der grauen Eon, sind
äußerst durchwachsen: Der Wert der Kohle- und Gaskraftwerke befindet
sich gemeinsam mit dem Strompreis im freien Fall. Genauso geht es dem
Handelsgeschäft, das ebenfalls in die neue Gesellschaft wechseln soll:
Es gibt kaum noch überraschende Preisausschläge an den Strom- und
Gasmärkten, mit denen sich im großen Stil Geld verdienen lässt.
Gleichzeitig nehmen die fallenden Ölpreise und die Fracking-Erfolge in
den USA dem auf Gas konzentrierten Rohstoffgeschäft die Berechenbarkeit.
Kurz: In der grauen Eon werden die Gewinnaussichten und Risiken nur
schwer zu prognostizieren sein. Steigen die Preise für Strom und Gas,
kann die graue Eon reüssieren. Sinken die Preise und halten die
gesellschaftlichen Aversionen gegen Großkraftwerke an, ist weiterer
Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe vorhergesagt. Auch die
Kernkraftwerke sollen in die graue Eon wechseln. Völlig offen ist, ob
die Politik die rot-grüne Eon, die wertvolle Assets wie Netze und
Immobilien behalten wird, aus der Haftung für die Entsorgung der
Kernkraftwerke entlassen wird. Eon teilt sich von einem Unternehmen
in zwei. Aber keine der beiden künftigen Gesellschaften ist der Erfolg
in die Wiege gelegt. Macht das Management weiterhin so viele erratische
Wendungen wie bisher, können sowohl die rote als auch die graue Eon zu
echten Problemfällen werden.

Die Eon-Stromerzeugung 2013 weltweit

in Mrd kWh in Prozent
Kernenergie 56,1 31,9
Braunkohle 4,3 2,4
Steinkohle 62,7 35,7
Erdgas/Öl 23,6 13,4
Wasserkraft 15,8 8,9
Windkraft 12,4 7
Sonstige 1 0,6
Gesamt 175,9


Der vorstehende Beitrag zum Thema EON-Aufbruch wurde bereitgestellt von:
Energie & Management
Dezember 02, 2014
Timm Krägenow
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