Sonntag, 7. Dezember 2014

Eon vor historischem Umbau

Deutschlands größter Stromkonzern stellt sich neu auf: Die erneuerbaren Energien stehen künftig im Mittelpunkt, während das konventionelle Geschäft in ein neues Unternehmen überführt werden soll. Für eine der wohl wichtigsten Pressekonferenzen in der Eon-Geschichte war der Rahmen nüchtern und kühl gewählt: Sozusagen auf dem Flur, im Eingangsbereich der Düsseldorfer Unternehmenszentrale, verkündeten Vorstandschef Johannes Teyssen und ein Teil seiner Vorstandskollegen am 1. Dezember Epochales: Der Energiekonzern will sich künftig auf erneuerbare Energien, Energienetze und auf sogenannte Kundenlösungen konzentrieren. Das konventionelle Geschäft, sprich die Erzeugung in allen fossilen und atomaren Kraftwerksblöcken sowie mit den zahlreichen Wasserkraftwerken und der Energiehandel sollen in ein neues Unternehmen überführt und in absehbarer Zeit an die Börse gebracht werden. Mit diesem radikalen Umbau reagiert Eon auf die seit Jahren zu beobachtende Veränderung auf den Energiemärkten. Die Erkenntnis, dass die Zeiten, in denen sich mit großen, zentralen Kraftwerkseinheiten Milliardengewinne einfahren ließen, unweigerlich zu Ende geht, hat die Eon-Zentrale schon seit geraumer Zeit erfasst. An der eingeleiteten Energiewende, das hatte Vorstandschef Teyssen in den zurückliegenden Monaten mehrmals betont, werde Eon jedenfalls nicht rütteln. Spätestens seit dem Gau von Fukushima im März 2011 war sich der Eon-Vorstand der Zeitenwende in der heimischen Energieversorgung bewusst. Hatten es die großen Energiekonzerne, mit Eon und RWE an der Spitze, im Jahr davor noch geschafft, den beschlossenen Atomausstieg rückgängig zu machen, führte ihnen die erneute Kehrtwende der Bundesregierung mit dem endgültigen Atom-Aus bis 2022 ihre deutlich gesunkenen Einflussmöglichkeiten drastisch vor Augen. Die Neupositionierung bei Eon habe gut ein Jahr lang gedauert. Das endgültige grüne Licht hatte der Aufsichtsrat Ende November gegeben. „Wir haben diesen Umstrukturierungsprozess ohne Strategieberater, sondern mit unseren eigenen Führungskräften und Mitarbeitern vollzogen“, berichtete Teyssen von der Genesis. Eon sei „kein Getriebener“, man habe sich zu der Umstrukturierung aus freien Stücken entschieden. Was angesichts des aktuellen Schuldenstands von rund 31 Mrd. Euro so nicht ganz richtig ist. Bis heute hatte der Eon-Vorstand keine schlüssige Antwort gefunden, wie diese immensen Schulden im Energiewende-Zeitalter abgebaut werden sollten. Auch als Hoffnungsträger auserkorene neue Märkte wie beispielsweise Brasilien haben bislang mehr Geld gekostet als gebracht. Zufrieden zeigte sich der Vorstandschef, dessen Vertrag erst im zurückliegenden Jahr bis 2018 verlängert worden ist, vor allem von der Tatsache, dass die Umbaupläne trotz des zeitlich langen Vorlaufs nicht an die Öffentlichkeit gedrungen sind: „Das hätte die Glaubwürdigkeit unseres Vorhabens insbesondere gegenüber unserer Belegschaft nachhaltig beschädigt.“ Nach den vom Eon-Vorstand vorgestellten Plänen sollen rund zwei Drittel der heute etwa 60 000 Beschäftigen für die „neue Eon“ arbeiten, die ihre Zentrale weiterhin in Düsseldorf behält. Künftig will sich Eon auf erneuerbaren Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren, wobei Teyssen allerdings offen ließ, welche Aktivitäten genau unter den Obergriff Kundenlösungen fallen. Mit Eon Connecting Energies hatte der Energiekonzern vor Jahren ein Tochterunternehmen gegründet, das für Industriekunden Effizienz- und Einsparmaßnahmen umsetzt. Den Anspruch, den der Eon-Vorstand mit der neuen Drei-Säulen-Ausrichtung verbindet, ist nicht unbescheiden: „Wir wollen bevorzugter Partner unserer Kunden und in allen unseren Märkten Klassenbester bei der Kundenzufriedenheit sein“, so Teyssen. Wo und wann Eon künftig in erneuerbare Kraftwerke investieren wird, ließ der Vorstand bei der Strategie-Präsentation offen. Klar ist nur, dass der Energiekonzern für das kommende Jahr seinen Investitionsetat von bislang 4,3 Mrd. Euro um 500 Mio. aufstocken wird. In dem noch neu zu gründeten Unternehmen will Eon sozusagen den großen Rest unterbringen – und zwar Eon Generation, das Handelsgeschäft von Eon Global Commodities, Eon Exploration & Production, das von Eon Russia geführte Erzeugungsgeschäft in Russland sowie die Beteiligungen an dem russischen Gasfeld Yushno Russkoye, an der Nord-Stream-Pipeline sowie an dem neuen brasilianischen Tochterunternehmen Eneva. Dieses neue Unternehmen soll, so Teyssen, frei von allen finanziellen Verpflichtungen im Verlaufe des Jahres 2016 sein Geschäft beginnen können: „Das gibt es nirgendwo in Europa“. Auch dank einer guten Kapitalausstattung gibt Teyssen dem abgespalteten Unternehmensteil, dessen Zentrale für die „Rhein-Ruhr-Region“ vorgesehen ist, gute Chancen: „Es steht noch nicht in den Büchern geschrieben, welches der beiden Unternehmen, Eon oder die neue Gesellschaft, in fünf Jahre die erfolgreichere sein wird.“ Bevor Eon zu neuen Ufern aufbricht, muss sich das Unternehmen mit den irdischen Widrigkeiten herumschlagen. Finanzvorstand Klaus Schäfer kündigte an, das Eon angesichts der Baisse am Kraftwerksmarkt und dem mauen Geschäft in Südeuropa für das laufende Geschäftsjahr Abschreibungen von 4,5 Mrd. Euro vornehmen müsse. Absehbar ist damit, dass der Energiekonzern im kommenden Frühjahr eine Bilanz mit tiefroten Zahlen präsentieren wird. Was auf die Dividende durchschlägt: Für dieses und das kommende Jahr hat der Vorstand eine Dividende von 50 Cent vorgeschlagen. Im Vergleich zum 2013 sind das 10 Cent weniger. Auch wenn Teyssen und seine Vorstandskollegen die Zukunft beider Unternehmen, der neuen Eon sowie des Bündelunternehmens mit allen abgespalteten Geschäftsaktivitäten, in ziemlich rosaroten Farben malten, ist eine Entwicklung absehbar: Mit Eon zwingt die Energiewende den Branchenprimus zu einem Bruch mit seiner Vergangenheit und seinen Wurzeln, weitere heutige Energiegrößen dürften folgen.

Der vorstehende Beitrag zum Thema Eon vor Umbau wurde bereitgestellt von:

Energie & Management

Dezember 1, 2014

Ralf Köpke

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