Samstag, 3. Januar 2015

BDEW fürchtet französisches Solo bei Kapazitätsmarkt


 Bild: Fotolia.com, Tom-Hanisch  
Durch die geplanten Zahlungen für das Bereithalten von Kraftwerken in Frankreich werde verhindert, dass der Strompreis in Deutschland wieder auf ein kostendeckendes Niveau steigen könne, warnt der Verband. In der deutschen Energiewirtschaft wachsen die Sorgen, dass unterschiedliche Weichenstellungen in der Strommarktpolitik in Deutschland und Frankreich zu Nachteilen für Versorgungssicherheit und Kraftwerke in Deutschland führen werden. Konkret fürchtet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dass von der französischen Regierung geplante Zahlungen für das Bereithalten von Kraftwerken in Frankreich die Wirtschaftlichkeit von Kraftwerken in Deutschland weiter verschlechtern werden. Damit könne „der Strompreis in Deutschland kaum mehr auf ein kostendeckendes Niveau steigen“, warnt der Verband in einem im Dezember veröffentlichten Positionspapier. Die Aussage der deutschen Regierung, dass der französische Kapazitätsmarkt „keinen relevanten Einfluss“ auf die Leistungsfähigkeit des Strommarktes in Deutschland habe, treffe nicht zu, kritisiert der BDEW. „Der französische Übertragungsnetzbetreiber plant mit der Einführungdes Kapazitätsmarktes französische Lastspitzen, die in kalten Wintern statistisch einmal in zehn Jahren auftreten, abzusichern“, fasst der BDEW die Pläne Frankreichs zusammen: „Damit wird es in Frankreich in neun von zehn Jahren Kapazitäten geben, die zur deutschen Nachfragedeckung beitragen, nicht aber im zehnten Jahr.“ So würden die für die Finanzierung von Kraftwerken notwendigen Preisspitzen in Deutschland verhindert, ohne dass die französischen Kapazitäten in tatsächlichen Knappheitsfällen dem deutschen Verbraucher zur Verfügung stehen würden.

Außerdem sähen die französischen Pläne vor, Überkapazitäten in Anrainerstaaten wie Deutschland von den inländischen Kapazitätsverpflichtungen abzuziehen. Würden also in Deutschland Kraftwerke stillgelegt, würden in Frankreich zwangsläufig Kraftwerke zugebaut. Dies werde – zusätzlich zum weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien – die Fixkostendeckung von notwendiger gesicherter Leistung in Deutschland weiter erschweren, warnt der Verband.
Der BDEW fordert die Bundesregierung auf, wichtige Fragen der Strommarktpolitik im direkten Dialog mit Frankreich anzugehen. Beide Länder zusammen repräsentierten mehr als ein Drittel des Stromverbrauchs und der Stromerzeugung in Europa. Zu klären sei unter anderem, wie sich deutschte Kraftwerke künftig am französischen Kapazitätsmarkt beteiligen können und wie es sich auswirke, wenn sich Frankreich für einen Kapazitätsmechanismus und Deutschland für die Verbesserung des Energy-only-Marktes entscheide. Vor der Beteiligung von ausländischen Kraftwerken an nationalen Kapazitätsmärkten müsse unter anderem auch die Verfügbarkeit ausreichender Transportkapazitäten untersucht werden. In seiner Stellungnahme zum Grünbuch des Bundeswirtschaftsministeriums zum künftigen Strommarkt schlägt der BDEW für Deutschland einen Stufen-Plan vor. Die erste Stufe solle eine marktbasierte strategische Reserve und Maßnahmen zur Ertüchtigung des Strommarkts enthalten. Gleichzeitig sollten bereits in dieser Legislaturperiode die gesetzlichen Grundlagen für einen Kapazitätsmarkt nach dem BDEW-Vorschlag des dezentralen Leistungsmarktes gelegt werden. Mit diesem Vorgehen könne empirisch getestet werden, ob ein Energy-only-Markt in der Lage sei, ein Leistungsbilanzgleichgewicht zu gewährleisten: „Ist er dies nicht, würde die Strategische Reserve stark anwachsen“, heißt es in dem BDEW-Papier: „Eine zu große Strategische Reserve ist aber volkswirtschaftlich ineffizient und für die Verbraucher zu teuer.“ Damit eine ineffizient große Strategische Reserve rechtzeitig durch einen Kapazitätsmarkt abgelöst werden kann, müsse bereits jetzt Klarheit über die Frage „Was kommt danach?“ geschaffen werden.
Der vorstehende Beitrag zum Thema  BDEW wurde bereitgestellt von: Energie & Management
Dezember 30, 2014
Timm Krägenow
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