Dienstag, 27. Januar 2015

Frankreich tut es, der BDEW will es auch


Bild: Fotolia.com, Ralf Urner


Der BDEW nimmt die Einführung eines Kapazitätsmarktes in Frankreich zum Anlass, nochmals an die Bundesregierung zu appellieren, das künftige Strommarktdesign europäisch kompatibel zu gestalten und einen dezentralen Leistungsmarkt zu etablieren. Die französische Energieministerin Ségolène Royal hat am 23. Januar die Verordnung zur Einführung eines „Kapazitätsmechanismus“ in Frankreich unterzeichnet. Dieser soll laut Mitteilung des Ministeriums „die Stromversorgungssicherheit der Franzosen dauerhaft sichern“. Die Regelungen dafür wurden nach einem längeren Konsultationsprozess mit den betroffenen Akteuren festgelegt, nachdem vor rund eineinhalb Jahren ein erster Entwurf veröffentlicht wurde.

Die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung Hildegard Müller verweist in ihrer Reaktion darauf, dass sich aktuell mehr als ein Dutzend europäischer Staaten mit dem Thema Kapazitätsmarkt befasse. „Längst ist deutlich geworden, dass die Reform des Strommarktdesigns keine nationale, sondern eine europäische Herausforderung ist.“ Strom mache nicht an Grenzen halt, so Müller. „Es ist deshalb wichtig, dass die von der Bundesregierung angestoßene Debatte um das zukünftige Strommarktdesign ergebnisoffen und mit einer klaren europäischen und grenzüberschreitenden Perspektive geführt wird“, betont sie.

Der vom BDEW entwickelte dezentrale Leistungsmarkt unterstütze und fördere die Weiterentwicklung des europäischen Energiebinnenmarktes. „Der Branchenvorschlag ist europakompatibel und setzt ausdrücklich auf die Einbindung ausländischer Kapazitäten in den dezentralen Leistungsmarkt", bekräftigt Müller.
Ziel des französischen Modells ist zum einen, die Versorgungssicherheit auch in den Verbrauchsspitzenzeiten zu gewährleisten. In sehr kalten Wintern musste Frankreich in der Vergangenheit sehr viel Strom importieren, vor allem auch aus Deutschland. Gleichzeitig soll aber die Deckung der Nachfrage „zu den geringstmöglichen Kosten erfolgen“. Stromlieferanten werden zu dem Nachweis verpflichtet, dass sie ihre Kunden auch zu den Spitzenzeiten ausreichend versorgen können. Sie sollen aber auch das Verbrauchsverhalten ihrer Kunden mit dem Ziel einer Reduktion der Spitzennachfrage beeinflussen. Stromerzeuger werden verpflichtet, die Verfügbarkeit ihrer Anlagen im Vorhinein zu sichern. In den französischen Kapazitätsmechanismus einbezogen werden aber auch ausdrücklich Maßnahmen zu Lastverschiebung/Verbrauchsminderung. Eine zusätzliche Vergütung ist nur vorgesehen, wenn die Stromproduktion und/oder die Lastverschiebung nicht ausreichen. „Diese Vergütung soll die Entwicklung des Angebots zur Verbrauchsreduktion unterstützen und in bestimmten Fällen verhindern, dass bestehende Anlagen unter einen Cocon gestellt werden“, heißt es dazu vom Ministerium. Die Verbrauchsminderung diene auch der CO2-Einsparung.

Der Kapazitätsmechanismus werde auch zur „transition énergétique“ und zur Entwicklung der erneuerbaren Energien beitragen, indem er eine „strukturelle Antwort“ auf das Problem der zunehmend volatilen Stromproduktion in Frankreich und Europa biete. Zudem sollen weitere Instrumente für die Versorgungssicherheit entwickelt werden. Dazu nennt das Ministerium insbesondere die Stromspeicherung.


Der vorstehende Beitrag zum Thema  Kapazitätsmarkt  wurde bereitgestellt von:
Energie & Management
Januar  23, 2015
Angelika Nikionok-Ehrlich
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