Freitag, 9. Januar 2015

Gabriel droht Bayern mit Aufteilung des Strommarkts

 

Bild: Fotolia.com, Tom-Hanisch 

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel warnt, dass bei weiter fehlenden Stromleitungen die EU die Unterteilung des deutschen Strommarkts in zwei Preiszonen durchsetzen wird. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) mit der Zweiteilung des deutschen Strommarkts gedroht, wenn Bayern den Bau von neuen Stromtrassen verweigere. „Strom in Bayern bleibt dann knapp und wird mit dem Abschalten der Atomkraftwerke in den nächsten Jahren noch knapper. Und alles was knapp ist, wird teuer“, sagte Gabriel der „Bild am Sonntag“.

Der Bundeswirtschaftsminister warnte den bayerischen Ministerpräsidenten davor, dass bei weiter fehlenden Nord-Süd-Leitungen die Europäische Kommission auf Änderungen beim Zuschnitt der Preiszonen drängen werde. „Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass dann irgendwann die EU die bislang einheitliche Preiszone in Deutschland aufteilen wird: in eine preiswerte im Norden und eine teurere im Süden“, sagte Gabriel der Zeitung. Er verlangte von Seehofer eine schnelle Antwort in dieser Frage: „Bayern muss sich im Januar endgültig für die beiden geplanten Stromtrassen nach Süden entscheiden.“
Die Aufteilung des deutschen Strommarkts in mehrere Preiszonen war von einer EU-Studie ins Gespräch gebracht worden, über die E&M Powernews im August 2014 erstmals berichtet hatte. Laut dieser Studie könnte die Unterteilung des deutschen Strommarktes in Preiszonen das geeignetste kurzfristig wirksame Instrument sein, um unerwünschte „Loop Flows“, also ungeplante Kreisflüsse von Strom, zu verhindern.
Durch die hohe Stromerzeugung in Norddeutschland und die schwachen innerdeutschen Transportleitungen nach Süden kommt es im Osten Deutschlands in den Stromnetzen von Polen, Tschechien, Ungarn sowie im Westen in den Niederlanden und Belgien und Nord-Frankreich zu diesen ungewollten Stromflüssen. Die Loop Flows blockieren Leitungen und verschlechtern die Sicherheit der Versorgung.
Durch die Einrichtung von zwei Preiszonen könnte sich laut der Studie der norwegischen Thema Consulting Group die Kilowattstunde in Bayern und Baden-Württemberg um ca. 0,1 bis ca. 0,6 Cent gegenüber den deutschlandweiten Strompreisen verteuern. Unter extremen Bedingungen könnte die Preiserhöhung sogar 1,6 Ct/kWh ausmachen. Die Strompreise in Norddeutschland würden dagegen je nach Annahme merklich fallen.
Seehofer hatte im vergangenen Jahr die von den Netzbetreibern als notwendig dargestellten neuen Höchstspannungstrassen grundsätzlich in Frage gestellt. Geplant sind Verbindungen von Schleswig-Holstein ins bayerische Grafenrheinfeld (Süd-Link) und von Magdeburg in Sachsen-Anhalt bis zum Kernkraftwerk Grundremmingen in Schwaben (Ost-Süd-Trasse). Der Chef der bayerischen Staatskanzlei, Marcel Huber, hatte am 1. Januar noch einmal die geplante Versorgung Süddeutschlands mit Strom aus norddeutschen Windkraftanlagen in Frage gestellt, jetzt auch aus wirtschaftlichen Gründen. Gas seid derzeit wirtschaftlicher als regenerative Energie, wurde Huber zitiert. Das Gaskraftwerk Irsching, das modernste der Welt, produziere für 5 Ct/kWh. Offshore-Windkraft produziere für 18 Ct/kWh.

Der vorstehende Beitrag zum Thema Aufteilung des Strommarkts wurde bereitgestellt von: Energie & Management

Januar 05, 2014

Timm Krägenow

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