Freitag, 20. Februar 2015

Seehofer erntet Kritik aus dem Norden

Bild: Fotolia.com, Rene Grycner

Die skeptischen Äußerungen von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zum Bau neuer Stromleitungen stoßen im Norden auf heftige Kritik. Die Zukunft der deutschen Energieversorgung liege in kluger überregionaler und internationaler Vernetzung und nicht in der Kleinstaaterei, unterstrich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig. Er konterte damit einem Interview seines bayerischen Amtskollegen Horst Seehofer, der am 5. Februar gegenüber der Tageszeitung Die Welt gesagt hatte: „Die norddeutschen Länder setzen sehr auf Offshore-Windkraft. Aber auch Bayern hat Interessen“. Dabei unterstrich Seehofer seine Vorbehalte gegen den Bau neuer Stromleitungen. Bayerns Stromversorgung müsse künftig vorrangig mit Gaskraftwerken gesichert werden, so der CSU-Vorsitzende. Dies sei für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in Bayern der wichtigste Punkt. „Und dann schauen wir, ob wir neue Stromtrassen überhaupt brauchen“, so Seehofer gegenüber Zeitung. Vor einer endgültigen Entscheidung zum Bau neuer Stromtrassen wolle er sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Albig hingegen versteht die Energiewende als Jahrhundertprojekt, das in langen Zeiträumen gedacht werden müsse. „Wer nur in Wahlperioden plant und nicht einmal die nahe Zukunft in zehn Jahren im Blick hat, wird der Herausforderung nicht gerecht“, unterstrich der Kieler SPD-Regierungschef. Schützenhilfe bekam Albig auch von seinem Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). Dieser nannte Seehofer verantwortungslos. Gegenüber Radio Schleswig-Holstein sagte er am 6. Februar: „Was da aus Bayern kommt, ist so weit abseits jeder energiepolitischen Vernunft und politischer Verantwortung, dass ich mich langsam frage, ob die geheime bayerische Agenda nicht ist, erneut aus dem Atomausstieg auszusteigen und die Energiewende zu sabotieren.“ Habeck kritisierte erneut, dass sich Bayern bislang nicht dazu bereiterklärt habe, Atommüll aus der Wiederaufbereitung aufzunehmen, obwohl das Land sehr stark von der Kernenergie profitiert habe. Die Vorbereitungen, Strom aus dem Norden nach Süddeutschland abzuführen, sind in Schleswig-Holstein schon weit fortgeschritten. Von 2018 an soll die Westküstenleitung Windstrom entlang der nordfriesischen Küste von Niebüll nach Brunsbüttel einsammeln und über Wilster in den Süden Deutschlands ableiten. Ab Mitte 2018 soll dann auch die Ostküstentrasse entlang der Ostseeküste gebaut werden.

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Januar 30, 2014

Kai Eckert

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