Donnerstag, 19. Februar 2015

Statkrafts Revolution



Bild: Fotolia.com, DeVIce


Statkraft Markets hat für einen der wenigen Paukenschläge auf der diesjährigen Fachmesse E-world gesorgt: Die Deutschland-Dependance des norwegischen Energiekonzern verkündete in Essen, im Januar erstmals aus ostfriesischen Windpark Dornum erfolgreich 5 MW negative Minutenreserve geliefert zu haben. "Die erneuerbaren Energien haben damit gezeigt, dass sie Systemverantwortung für die Stromversorgung übernehmen können“, betonte Geschäftsführer Stefan-Jörg Göbel, der für Statkrafts eher nüchternes Auftreten einen unglaublich emotionalen Satz hinterher schob: „Das ist eine Revolution“. In der Tat hat Statkraft nach eigenem Bekunden über anderthalb Jahre an diesem Pilotvorhaben gearbeitet. Dass die Gespräche mit dem zuständigen Übertragungsnetzbetreiber TenneT nicht einfach gewesen sind, ließ sich an Göbels Lippen ablesen.

Bei dem Pilotvorhaben in Dornum wollen es die Norweger nicht belassen. „Wir wollen weitere Windparks präqualifizieren“, so Göbel. Das sei ein weiterer Schritt, den Ökoenergien zum Erwachsenwerden zu verhelfen. Bei dem Pilotvorhaben in Ostfriesland ist nach seinen Worten nicht alles optimal, sprich wirtschaftlich gelaufen: „Der Nachweis, dass wir die Minutenreserve erbracht haben, ist über das klassische Fahrplanverfahren für konventionelle Kraftwerke gelaufen.“ Außerdem mussten die Windturbinen gedrosselt auf einer Leistung von 25 MW laufen und im Moment der Reserve-Bereitstellung ein weiteres Mal auf 20 MW runtergefahren werden“. Göbels Fazit: „Es ist wirtschaftlich sinnlos, Windenergieanlagen künstlich auf einen festen Leistungswert abzuregeln und von diesem Niveau dann Regelmengen zu liefern − das ist schlicht zu teuer." Dass Statkraft bei der Dormuner Premiere kaum oder wenig verdient hat, dürfte das Energieunternehmen verschmerzen. Viel wichtiger war der Nachweis, dass die Windkraft regelenergiefähig ist. Damit dürfte Statkraft die Zweifler in Kreisen der Übertragungsnetzbetreiber und anderer Energieversorger, die es auch auf der E-world gab, eines Besseren belehrt haben.

Der Dornumer Stapellauf dürfte den Skandinavier die Möglichkeit eröffnen, künftig den Betreibern der von ihnen in der Direktvermarktung betreuten Windparks weitere Zusatzeinnahmen zu verschaffen. Solche Unterscheidungskriterien sind wichtig: „Wir erleben seit Monaten bei der Direktvermarktung via Marktprämie einen extremen harten Wettbewerb“, skizzierte der Statkraft-Manager die aktuelle Marktlage. Immerhin ist Statkraft Markets, wie die jüngste E&M-Umfrage zur Entwicklung der Direktvermarktung zeigte, hierzulande unbestrittener Marktführer in diesem Segment. Dennoch wollte Göbel sich nicht auf eine Prognose festlegen lassen, ob das Statkraft-Portfolio von derzeit 8 900 MW bis zum Jahresende auf über 10 000 MW anwächst. „Wir werden nur die Windparks unter Vertrag nehmen, bei denen wir auch wirklich Geld verdienen“, wiederholte Göbel das bekannte Statkraft-Credo. Die Direktvermarktung dürfte dem Statkraft-Team in Düsseldorf derzeit unter dem Strich dennoch mehr Spaß machen als die eigenen Gaskraftwerke in Hürth bei Köln sowie in Herdecke bei Hagen. Wie bei der aktuellen Marktlage nicht anders zu erwarten, sackte deren Produktion im vergangenen Jahr noch weiter ab – und zwar auf 1 Mrd. kWh, in Hochzeiten waren es 6 Mrd. kWh.

Die Frage, wie lange sich Statkraft-Zentrale in Oslo das defizitäre Kraftwerksgeschäft in Deutschland noch anschaut, ließ der zuständige Geschäftsführer Jürgen Tzschoppe offen: „Oslo überlässt uns die Entscheidung.“ Noch jedenfalls gebe es keine Überlegungen, Kraftwerkskomponenten nach Asien zu verkaufen. Deshalb sprach sich Tzschoppe in Essen nicht zum ersten Mal für die Einführung von Kapazitätsmechanismen für den Kraftwerksmarkt: „Wenig lebensnah ist die Annahme des Bundeswirtschaftsministerium in seinem Grünbuch, dass in Deutschland von Wirtschaft und privaten Haushalten Stromausfälle bis zu 50 Stunden im Jahr hingenommen werden. Bei der künftigen Versorgungssicherheit nur auf einen reformierten Energy-only-Markt zu setzen, wird ein Rohrkrepierer.“ Bereits vor der E-world hatte die Statkraft-Zentrale die Bilanzzahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr vorgestellt. Danach erwirtschaftete das Unternehmen bei einem Umsatz von gut 5,6 Mrd. Euro einen Gewinn von 431 Mio. Euro.


Der vorstehende Beitrag zum Thema Statkraft Markets wurde bereitgestellt von:

Energie & Management
Februar 10, 2015
Ralf Köpke
Tel: +49 8152 9311-0
Fax: +49 8152 9311-22
info[ @]emvg.de© 2014 E&M GmbH Alle Rechte vorbehalten

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen