Mittwoch, 4. Februar 2015

West-Berlin bald ohne Freileitungen

 

Bild: Fotolia.com, Stefan Redel 
Die Stromnetz Berlin GmbH, Betreiberin des elektrischen Verteilnetzes in der Hauptstadt, will in diesem Jahr massiv in Infrastruktur investieren – bis Ende des Jahres soll es im Westteil der Stadt keine Freileitungen mehr geben. Vom „größten Netzumbau seit 130 Jahren“ spricht Helmar Rendez, Vorsitzender Geschäftsführung der Stromnetz Berlin GmbH. Die Vattenfall-Tochter, die weiter um die Verlängerung ihrer Ende 2014 ausgelaufenen Konzession kämpft, plant mit Ausgaben von 288 Mio. Euro, die 2015 in die Netzinfrastruktur der Hauptstadt fließen sollen – davon sind 146 Mio. Euro als Investitionen ausgewiesen. Das Investitionsvolumen für die nächsten zehn Jahre bezifferte der Geschäftsführer beim Jahresausblick am 28. Januar auf 1,6 Mrd. Euro.
Als wesentliche Posten im laufenden Jahr nennt Rendez beispielsweise den Neubau eines wichtigen Netzknotenpunkts im Westteil der Stadt, in den bis 2019 etwa 72 Mio. Euro fließen sollen, den Neubau von zwei fernsteuerbaren Umspannwerken und die weitere Verkabelung von Stadtteilen, die dazu führen soll, dass es im ehemaligen West-Berlin schon Ende des Jahres keine Freileitungen auf Masten mehr geben wird. Bisher stehen in der Hauptstadt noch 8 200 Masten, von denen in diesem Jahr 1 600 abgebaut werden.
Die Verkabelung wird auch dazu genutzt, das Netz zu verstärken und die Kapazitäten zu erhöhen. Ein wichtiges Ziel der Modernisierung sei auch, das Netz intelligenter zu machen, bekräftigte der Geschäftsführer. Als neuen Service für seine Kunden hat der Berliner Netzbetreiber auch einen ermäßigten Netzentgelttarif für Elektromobilität eingeführt. Er soll Stromvertriebe anregen, spezielle Fahrstromtarife für Elektroautos anzubieten. Rendez sieht das Angebot als Beitrag dazu, die Elektromobilität attraktiver zu machen. Der reduzierte und von der Konzessionsabgabe befreite Netzentgelttarif wird dadurch möglich, dass Autoladesäulen wie abschaltbare Lasten behandelt werden können, erklärt der Geschäftsführer. In Berlin gibt es derzeit etwa 400 öffentliche Lademöglichkeiten für E-Mobile.

Starker Zubau von dezentralen Erzeugungsanlagen

Ein wichtiges Thema für Stromnetz Berlin ist weiter der Anschluss von dezentralen Stromerzeugungsanlagen an das Netz. Die Zahl der in Berlin installierten Blockheizkraftwerke hat 2014 nach vorläufigen Zahlen des Unternehmens um 125 auf 941 zugenommen. In Summe bedeutet das eine elektrische Leistung von gut 450 MW. Für 2015 werden zusätzliche 145 BHKW erwartet. Der Zubau von Photovoltaikanlagen hat sich 2014 etwas verlangsamt. Im letzten Jahr kamen 239 neue dazu; damit stieg die Zahl der PV-Anlagen in der Hauptstadt auf 5 214 (rund 110 MW). Für 2015 wird mit weiteren 347 PV-Anlagen gerechnet. Ein über die letzten fünf Jahre stabiler Trend hat sich auch 2014 fortgesetzt: Der Stromverbrauch sinkt, obwohl die Hauptstadt an Einwohnern wächst. Im Durchschnitt verbrauchte ein Berliner Haushalt im letzten Jahr 2 100 kWh Strom – 100 kWh weniger als ein Jahr zuvor. Rendez führt dies nicht nur auf den Strukturwandel in der Stadt sondern auch auf aktives Stromsparen der Verbraucher und den Einsatz effizienterer Geräte zurück.
Auf 378 000 stark angestiegen ist dagegen die Zahl der Versorgerwechsel. Die 2,3 Millionen Haushalte und Gewerbebetriebe in der Hauptstadt konnten unter 420 Stromanbietern auswählen. „Das zeigt, dass der Wettbewerb in Berlin funktioniert“, meint Rendez.
Beim Thema Konzessionsvergabe muss Stromnetz Berlin auf die ersten Schritte des im Dezember 2014 umgebauten Senats unter dem neuen Regierenden Bürgermeister Michael Müller warten. Er begrüße es, das der neue Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen bereits signalisiert habe, von „einem Konfrontations- zu einem Kooperationskurs umschalten“ zu wollen, erklärte Rendez dazu.
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Januar 28, 2015

Peter Focht

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