Sonntag, 8. März 2015

Brücke zwischen getrennten Märkten

Bild: Fotolia.com, Stefan Redel

Energiewende und zunehmender Energiehandel lassen den Regelenergiebedarf wachsen – am Strom- wie auch am Gasmarkt. Der Saarbrücker Energiedienstleister VSE sieht darin ein Geschäftsmodell mit Zukunft und will Synergien zwischen beiden Märkten erschließen. Die bisher weitgehend getrennten Regelenergiemärkte für Strom und Gas künftig kombiniert zu nutzen, ist Ziel des saarländischen Energieversorgers VSE AG. „Wir sind das einzige Unternehmen in Deutschland, das Regelenergie medienübergreifend anbieten und abwickeln kann“, sagt Michael Küster. „Künftig wollen wir nicht mehr zwischen Strom und Gas unterscheiden und beispielsweise einen Bedarf an Stromregelenergie auch im Gasbereich abfahren“, so der VSE-Manager. Eine Schlüsselrolle bei diesem Vorhaben spielen Blockheizkraftwerke, die an das Strom- und an das Gasnetz angebunden sind und damit eine Brücke zwischen den beiden bisher getrennten Versorgungsnetzen bilden. Die VSE ist bereits im Strom- und im Gasmarkt als Regelenergiedienstleister aktiv. Im Strombereich hat das Unternehmen dafür in den letzten drei Jahren einen Pool von kleineren und mittleren Kraftwerken mit mehr als 350 MW Leistung unter Vertrag genommen. Die Nutzer der Anlagen – Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Stadtwerke − vertrauen diese der VSE an, welche die Kraftwerke nach deren Vorgaben steuert und den Übertragungsnetzbetreibern für den nächsten Tag für den Regelenergieeinsatz anbietet. Die Anlagen stehen als positive oder negative Minutenreserve zur Verfügung – werden also zugeschaltet, wenn zu wenig Last im Netz ist und bei zu viel Last abgeschaltet. Die Energieerzeuger müssen dafür innerhalb von 15 Minuten zur Verfügung stehen. Regelenergie ist für die Netzstabilität technisch notwendig und gewinnt durch die zunehmende Vorrangeinspeisung erneuerbarer Energien an Bedeutung.

Regelenergie aus Pool von Kleinanlagen

Im Aufbau ist auch ein Pool von mehr als 50 kleineren Blockheizkraftwerken bis zu einer unteren Grenze von etwa 200 kW elektrischer Leistung, die Küster im nächsten Jahr zu einem virtuellen Regelenergiekraftwerk kombinieren will. „Wir wollen das zu einem hoch automatisierten Massenkundengeschäft ausbauen“, so der Manager. Die Software dafür wird gerade angepasst. Außerdem soll das Geschäft bis Anfang nächsten Jahres auf den Bereich der Sekundärregelleistung ausgeweitet werden. Dafür sind schnellere Reaktionszeiten als bei der Minutenreserve erforderlich. Die Anlagen müssen innerhalb von 30 Sekunden reagieren und in fünf Minuten zum Ab- oder Anschalten verfügbar sein. Seit diesem Sommer ist die VSE auch auf dem Gasmarkt mit Regelenergie aktiv und fasst dafür vor allem lokale Kugel- und Röhrengasspeicher zu einem Regelenergiepool zusammen. Bis Ende des Jahres sollen es zehn Anlagen sein. „Wir sind in beiden Marktgebieten aktiv und bieten jeweils Regelenergie für L-Gas und H-Gas an“, so Küster. Vermarktet wird sie überwiegend als Intraday- beziehungsweise Day-Ahead-Produkt für den nächsten Tag. Im Gasnetz ist Regelenergie nötig, um Druckschwankungen auszugleichen. Sie muss jeweils mit drei Stunden Vorlaufzeit als Pool rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Die Geschäfte werden über physische Ausschreibungen der beiden großen Marktgebietsverantwortlichen NCG und Gaspool sowie vorrangig über die Börse abgewickelt.

Neue Aufgabe für kleine Gasspeicher

Für die lokalen Gasspeicher, die ursprünglich von Versorgungsunternehmen für das Abfahren von Tagesspitzen gebaut wurden, am liberalisierten Gasmarkt aber nicht mehr gebraucht werden, sei das Anbieten am Regelenergiemarkt oft die einzige Möglichkeit, sie wirtschaftlich weiterbetreiben zu können, so Küster. Für den gesamten Energie- und Regelenergiehandel hält die VSE in Saarbrücken einen 24-Stundenservice an 365 Tagen im Jahr vor. Sieben Händler vermarkten die Regelenergiepools über die Börse im Dreischichtbetrieb. Künftig soll dies auch medienübergreifend geschehen. Ziel sei es, die beiden Regelenergiemärkte Strom und Gas kaufmännisch und technisch so zu koordinieren, dass Synergien zum Vorteil der Kunden entstehen und genutzt werden können. Gasspeicher und BHKW der VSE-Pools sollen dafür im Zusammenspiel die nötige Flexibilität schaffen. Durch die Kombination lässt sich beispielsweise ein BHKW, das als negative Minutenreserve im Strom angeboten wird, gleichzeitig als negative Regelenergie im Gas nutzen. Muss das BHKW dann tatsächlich abgeschaltet werden, wird das Gas einfach in einen Speicher des VSE-Reservepools umgeleitet. „Wir können damit Preissignale von zwei Märkten nutzen und die BHKW so fahren, wie es die Märkte gerade hergeben“, erklärt Küster. Die BHKW der Kunden könnten so gegenüber derzeitigen Möglichkeiten optimiert betrieben werden. Auch von der Bundesnetzagentur, die seit Jahren eine medienübergreifende Herangehensweise fordert, sieht sich die VSE in ihrem Vorgehen bestätigt.

Der vorstehende Beitrag zum Thema Energiewende wurde bereitgestellt von:

Energie & Management

Dezember 18, 2014

Peter Focht

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