Montag, 30. März 2015

Französischer Kapazitätsmarkt kappt deutsche Strompreise

Bild: Fotolia.com, visdia

Der Thinktank "Agora Energiewende" hat die Auswirkungen des kommenden Kapazitätsmarkts in Frankreich auf den deutschen Strommarkt untersucht: Die Kunden werden profitieren, die Kraftwerksbetreiber leiden.Der Kapazitätsmarkt in Frankreich wird voraussichtlich auch Folgen für den Strommarkt in Deutschland haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Thinktanks „Agora Energiewende“. Die Stromkunden in Deutschland werden vor allem an kalten Wintertagen mit sehr hoher Stromnachfrage davon profitieren, dass die Kapazitätszahlungen in Frankreich die Ausschläge der Strompreise nach oben begrenzen. „Der französische Kapazitätsmarkt führt .. dazu, dass die französischen Stromkunden die Spitzenpreise in Knappheitssituationen an der deutsch-französischen Strombörse herunterkaufen“, fasst Agora-Direktor Patrick Graichen die Ergebnisse zusammen. Allerdings werden diese Effekte nicht riesig ausfallen, weil zwischen Frankreich und Deutschland nur Übertragungskapazitäten von rund 3 GW existieren.

Frankreich bereitet gerade einen Kapazitätsmarkt vor, bei dem sich die Stromkunden für Stunden mit knappem Stromangebot mit Versorgungssicherheitszertifikaten eindecken müssen. Mit den Zahlungen für diese Zertifikate wird das Vorhalten von Kraftwerken finanziert, deren Gesamtkapazität möglicherweise nur in Abstand von mehreren Jahren an wenigen Tagen tatsächlich für die Bewältigung einer Knappheitssituation benötigt wird. Die durch Kapazitätszahlungen mitfinanzierten Kraftwerke dürfen normal am europäischen Strommarkt teilnehmen. „Verlierer“ bei der Einführung des Kapazitätsmarktes in Frankreich werden laut der Studie die deutschen Kraftwerksbetreiber sein, die in geringerem Ausmaß von Spitzenpreisen profitieren können.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat in diesem März entschieden, dass es die Einführung eines Kapazitätsmarktes in Deutschland ablehnt. Stattdessen soll der bestehende Energy-only-Markt so reformiert werden, dass die Anreize für die Bilanzkreisverantwortlichen, sich in jedem Moment mit genügend Strom einzudecken, noch deutlicher ausfallen. Notwendige neue Investitionen in Erzeugungskapazitäten sollen sich über Preisspitzen an der Strombörse in Knappheitssituationen finanzieren. Die Agora-Studie kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass die in Deutschland zu erwartenden Preisspitzen durch das Vorhalten von Kraftwerken in Frankreich abgemildert werden. Dies wird voraussichtlich auch Folgen für das Kalkül von Investoren haben, die über den Bau von Kraftwerken in Deutschland nachdenken.
Die Studie hat darüber hinaus auch das Kapazitätsmarkt-Modell, das jetzt in Frankreich eingeführt wird, mit dem Vorschlag für einen solchen dezentralen Leistungsmarkt verglichen, den die Verbände der Energiewirtschaft für Deutschland vorgeschlagen haben. In beiden Modellen müssen Stromkunden handelbare Leistungszertifikate kaufen, mit denen das Vorhalten von Kraftwerken finanziert wird. Trotz aller Ähnlichkeiten der beiden Modelle gibt es aber auch gravierende Unterschiede. Im französischen Kapazitätsmarkt spiele der Übertragungsnetzbetreiber RTE eine zentrale Rolle, weil er überprüft, ob sich die Stromvertriebe tatsächlich mit genügend Zertifikaten über gesicherte Leistung eindeckt haben, erklärt die Agora. Eine vergleichbare Kontrollinstanz fehle beim deutschen Modellvorschlag. „Das französische Modell ist weitaus rigider, wenn es darum geht, die Verfügbarkeit von Leistung zu Zeiten mit Knappheit nicht nur anzureizen, sondern auch durchzusetzen“, sagt Graichen: „Wollte man den dezentralen Leistungsmarkt in Deutschland umsetzen, müsste man sicherlich ähnlich wie in Frankreich stärkere Überwachung und Kontrollen einführen als bisher diskutiert.“

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März 26, 2015

Timm Krägenow

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