Dienstag, 31. März 2015

Klimaschutz und Energiewende europäisch umsetzen

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Ein Ausbau des Emissionshandelssystems (ETS), eine marktorientierte Förderung der erneuerbaren Energien und eine Stärkung des Strombinnenmarktes sind aus Sicht drei führender wissenschaftlicher Akademien die zentralen Punkte für eine modellhafte europäische Energie- und Klimapolitik.Die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (acatech), die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften haben zusammen mit weiteren Experten in ihrem gemeinsamen Projekt “Energiesysteme der Zukunft“ untersucht, welche Gestaltungsmöglichkeiten es für eine gemeinsame europäische Energie- und Klimapolitik und für eine stärkere Verzahnung der deutschen Energiewendepolitik damit gibt.

„Das primäre Ziel einer europäisch integrierten Energiewende sollte der Ausbau des Europäischen Emissionshandelssystems sein“, sagt der Projektleiter, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und Vorsitzende der Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt. Mit dem ETS könnte die Treibhausgasminderung in Europa zu volkswirtschaftlich vertretbaren Preisen erfolgen. Um das Problem zu lösen, dass es wegen der niedrigen Zertifikatepreise nicht genug Investitionsanreize für klimafreundliche Technologien gibt, plädieren die Wissenschaftler für einen alternativen Ansatz statt der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Marktstabilitätsreserve: Für die Auktionierung der Zertifikate sollte ein fester Preiskorridor mit Mindest- und Höchstpreis definiert werden. Zur Höhe wolle man sich nicht äußern, so Schmidt. „Das ist jenseits unseres Mandats.“
Nun ist aber bekannt, dass einige europäische Länder sich gegen eine Verschärfung des Emissionshandels stemmen. „Für die besonders betroffenen Länder wie etwa Polen, sollte es Transfers geben“, sagt dazu Justus Haucap, Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie der Universität Düsseldorf. Bereits jetzt gebe es einen gewissen Lastenausgleich, indem 12 % der Auktionserlöse umverteilt werden. Dies könne aufgestockt werden. Das ETS sollte zudem auf weitere Sektoren wie etwa den Verkehr und die Landwirtschaft ausgeweitet werden. Damit könnte er auch zu einem internationalen Modell werden, meinen die Wissenschaftler.
Die Erneuerbaren-Förderung sollte längerfristig über das ETS erfolgen. Bis dahin sprechen sich die Wissenschaftler für eine stufenweise europaweite Harmonisierung der Fördersysteme für die erneuerbaren Energien aus. Zum einen aus Kostengründen, zum anderen, so Haucap, könnte diese ein Stück weit die wegen des EU-Beihilferechts immer noch bestehende Rechtsunsicherheit nehmen.
Beschäftigt hat man sich auch mit den Auswirkungen des steigenden Erneuerbaren-Anteils auf den Strombinnenmarkt. Denn zunehmend müssten regionale Schwankungen bei Erzeugung und Verbrauch ausgeglichen werden. Eine Option bestünde darin, die Übertragungs- und Verteilnetze in großem Umfang auszubauen – mit entsprechenden Milliardenkosten. Die zweite Option wäre laut der Studie, den überschüssigen Erneuerbaren-Strom häufiger abzuregeln, das Redispatch auf ausländische Kraftwerke zu erweitern und die Nachfrage stärker zu flexibilisieren (demand side management).
Um einen Anreiz dafür zu setzen, dass Stromerzeugungskapazitäten dort aufgebaut werden, wo sie benötigt werden, sollte aus Sicht der Wissenschaftler sich die Knappheit in regional höheren Strompreisen spiegeln. Sie plädieren daher für ein grenzüberschreitendes market splitting. Alternativ könnten die Netzentgelte regional stärker ausdifferenziert werden. Das gebe es in einigen Ländern bereits, sagt Haucap. Er verweist dazu auf Großbritannien: „Wer in Südengland einspeist, zahlt deutlich weniger als in Schottland.“
Die Stellungnahme der Akademien findet sich unterwww.acatech.de/energiewende-europaeisch-integrieren

Der vorstehende Beitrag zum Thema Klimaschutz und Energiewende europäisch umsetzen wurde bereitgestellt von:

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März 26, 2015

Angelika Nikionok-Ehrlich

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