Mittwoch, 25. März 2015

SoFi-Stresstest bestanden

Bild: Fotolia.com, Gina Sanders

Deutschland, uneinig Sofi-Land. Während vor allem in Süd- und Ostdeutschland Zigtausende Bundesbürger Zeugen der partiellen Sonnenfinsternis geworden sind, gab es im Norden, Nordwesten und in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens beim Blick nach oben nur eins zu sehen: einen mausgrauen Himmel.Was den Netzbetreibern hierzulande ziemlich schnuppe gewesen sein dürfte. Sie hatten keine Stromausfälle zu verzeichnen, denn die Netze haben die Sonnenfinsternis ohne nennenswerte Ausschläge verkraftet. „Uns fällt ein großer Stein vom Herzen. Alles lief wunderbar“, zitiert dpa stellvertretend für die Netzbetreiber Dirk Biermann, Geschäftsführer Systembetrieb bei 50Hertz. Sein Fazit brachte er kurz und knapp auf den Punkt: „Das ist ein gutes Signal für die Energiewende.“ Die partielle Sonnenfinsternis galt im Vorfeld als ernste Bewährungsprobe und Stresstest für das Energiewende-Land Deutschland mit seinen mehr als 38 000 MW installierter Photovoltaik-Leistung.
Stromausfälle wären wirklich eine (böse) Überraschung gewesen. Denn alle Netzbetreiber hatten mehrere Monate Zeit gehabt, sich auf den 20. März vorzubereiten. Wie gut sie vorbereitet waren, zeigt die abgerufene Regelenergieleistung. In der Viertelstunde zwischen 10:45 und 11:00 Uhr waren es 843 MW, ein Wert, der auch an normalen Tagen regelmäßig auftritt. Für den worst case hatten die Netzbetreiber zum gleichen Zeitpunkt bis zu 7 GW positiver und negativer Regelenergieleistung kontrahiert.
Dass sich der Regelenergie-Abruf in absoluten Grenzen hielt, hat auch mit den ziemlich genauen Wetterprognosen zu tun. Wie sehr sich die Wetterprognosen seit Beginn der Woche stabilisiert hatten, konnten E&M Powernews-Leser seit dem 16. März in dem Countdown-Tagebuch zur Sonnenfinsternis verfolgen. Die Wetterdaten lieferten die MeteoGroup Deutschland und energy & meteo systems (emsys).
 
Bild: MeteoGroup
Deren Fazit fiel so aus: Insgesamt wurde der Verlauf der Solarenergieleistung gut prognostiziert, heißt es bei MeteoGroup. Das trifft vor allem auf die Prognosen vom 18. und 19. März zu, die den ersten Peak vor der Sonnenfinsternis gegen 9:45 Uhr mit rund 12 bis 13 GW enthielten, das Minimum etwa eine Stunde später mit etwa 5 bis 7 GW aufwiesen und auch den Anstieg auf das Tagesmaximum von rund 20 GW korrekt darstellten. Etwas schlechter waren die Prognosen vom 17. und 18. März, die Wettermodelle berechneten hier das Vorankommen der Bewölkung eines von Norden her aufziehenden Frontensystems deutlich weiter in die Mitte Deutschlands.
Bild: emsys

Auch emsys zeigte sich mit seinen Vorhersagen durchweg zufrieden: Das Timing der Prognosen war extrem gut, sodass die Vorbereitung der Übertragungsnetzbetreiber genau passte. Aufgrund des zähen Nebels im Nordwesten war das Einspeiseniveau jedoch etwas geringer als erwartet. Diese Art von Vorhersagefehler tritt jedoch auch an anderen Tagen auf und stellt damit kein großes Problem dar. So wurden zur maximalen Abschattung 4,7 GW ins Netz gespeist. Der Maximalwert betrug heute um 12 Uhr rund 20 GW. Der Maximalwert pro Viertelstunde von 11:00 bis 11:15 Uhr betrug gut 4 GW.

In dieser Viertelstunde wurden 186,488 MW negative Sekundärregelleistung sowie 115,580 MW positive Sekundärregelleistung abgerufen. Damit war der Netzregelverbund optimal glattgestellt. Dies ist der eindeutige Beweis für die gute Prognosequalität an diesem Tag.
Das am meisten zutreffende Fazit für den SoFi-Tag hat Statkraft Market formuliert. Das Unternehmen unterrichtete seine Direktvermarktungskunden mit einem eigenen Blog über den Verlauf der Sonnenfinsternis: „Das deutsche Stromnetz kann auch extreme Schwankungen, die durch die Einspeisung von Erneuerbaren hervorgerufen werden können, gut wegstecken. Einem weiteren Zubau steht von dieser Seite nichts im Weg.“ Bleibt zu hoffen, dass Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und so manche Union-Granden diese Botschaft hören.
Übrigens, die nächste partielle Sonnenfinsternis in Europa findet am 25. Oktober 2022 statt. Zeit genug für die Netzbetreiber, sich auf dieses Naturschauspiel vorzubereiten.

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März 20 , 2015

Ralf Köpke

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